Fünf Jahre nach #metooSexualisierte Übergriffe werden jetzt häufiger gemeldet

Vor fünf Jahren ist die #metoo-Bewegung gestartet. Zunächst wurde ein Artikel mit Vorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein veröffentlich und dann folgte dann folgte #metoo. Der Hashtag hat mittlerweile Geschichte geschrieben. Unzählige Menschen haben seitdem unter dem Hashtag ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt geteilt. Aber was hat die #metoo-Bewegung wirklich gebracht? Die Journalistin Caro Bredendiek hat dazu recherchiert.

Caro Bredendiek hat für den WDR-News-Podcast recherchiert und sagt, es sei schwierig zu bewerten, ob unsere Gesellschaft durch #metoo weniger sexistisch geworden ist. "Aber es wird deutlich mehr drauf geschaut, deutlich mehr darüber geredet als früher", sagt die Journalistin.

Julia Viohl ist Arbeitsrechtsanwältin in Berlin und wird von Unternehmen eingeschaltet, wenn sexistische Übergriffe gemeldet werden. Sie sagt, dass sie dreimal mehr Fälle hat als vor #metoo. Ihre Erklärung: Es werde seltener ignoriert und darüber hinweg gelächelt als früher.

"Opfer von sexuellen Übergriffen trauen sich jetzt mehr, sich zu aktiv wehren und sich zu beschweren – weil die Gesellschaft insgesamt sensibilisierter ist für sexuelle Belästigung."
Julia Viohl, Arbeitsrechtlerin

2019 hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Studie beauftragt, um herauszufinden, in welchen Branchen es besonders viele Fälle gibt. Diese Studie zeigt, dass das Gesundheits- und Sozialwesen besonders betroffen ist. 29 Prozent der befragten Frauen und Männer aus diesem Bereich haben schon sexuelle Belästigung erlebt.

Wenn die Hierarchie eine Rolle spielt

Sophie Charlotte Schröder studiert Medizin an der Uni in Jena und hat – wie viele ihrer Kommilitoninnen – bereits im Studium einige übergriffige Situationen erlebt. Der Klassiker sei, dass während einer Operation zum Beispiel der Chefarzt deutlich näher an eine Studentin heranrückt, als es eigentlich nötig wäre. "Teilweise wird das noch durch Kommentare verstärkt", berichtet die Medizinstudentin, "so nach dem Motto: 'Oh, jetzt sind wir hier aber schön nah beieinander.'"

Es gebe aber auch durchaus Beispiele, bei denen Patienten etwa gegenüber Pflegepersonal übergriffig werden. Manchmal seien das nur Sprüche, wie: 'Den Schritt dürfen Sie ruhig etwas länger waschen.' Branchenübergreifend geben jedoch 26 Prozent der Betroffenen in der Studie an, dass sie auch körperlich bedrängt wurden – und es nicht bei unangemessenen Witzen geblieben ist.

"Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass früher mindestens genauso viele Vorfälle passiert, aber häufiger im Verborgenen geblieben sind."
Caro Bredendiek, Journalistin

Sophie Charlotte Schröder sagt, sie habe ihren Optimismus noch nicht verloren, obwohl sie schon so viele Erfahrungen gemacht habe, bevor sie überhaupt ihr Medizinstudium abgeschlossen hat. Aber sie hat das Gefühl, dass es in ihrer Generation immer mehr Menschen gibt, die auf so einen Umgang keine Lust mehr haben.

Kriterium bei der Jobwahl: Umgangsformen im Unternehmen

Angesichts der Personalnot im Gesundheitswesen hätten sie auch durchaus etwas in der Hand – denn wenn ein Arbeitsumfeld unangenehm sei, dann sei es kein Problem, den Job zu wechseln. Es mache also durchaus Sinn für Krankenhäuser und auch andere Unternehmen, verstärkt einen Wert auf guten Umgang miteinander zu legen – und sexistische Übergriffe zu verfolgen.