GarantieverlängerungenWas uns Junk Fees und Zusatzgebühren im Alltag kosten
Euer Produkt bekommt ein längeres Leben geschenkt – durch eine Zusatzversicherung namens Garantieverlängerung. Aber was, wenn hinter dem System der Garantieverlängerungen eine Milliardenbranche steckt, der unterstellt wird, sie verkaufe Junk?
Unter "Junk Fees" werden zusätzliche Gebühren oder kostenpflichtige Extras verstanden, die erst im Laufe eines Kaufprozesses sichtbar werden. In der Wirtschaft spricht man dabei häufig von "Drip Pricing": Der eigentliche Produktpreis wirkt zunächst attraktiv, erst kurz vor dem Abschluss kommen tröpfchenweise weitere Kosten hinzu – etwa für Gepäck beim Flug, Servicegebühren oder eben Garantieverlängerungen.
Viele dieser Angebote sind legal. Verboten sind lediglich bereits vorangekreuzte Zusatzleistungen oder versteckte Pflichtgebühren. Hier gilt: Verbraucher müssen sich aktiv für eine Extraleistung entscheiden. Der tatsächliche Endpreis eines Produkts zeigt sich dann dennoch oft erst ganz am Ende des Kaufprozesses.
Garantieverlängerung: Lohnt sich die Zusatzversicherung?
Garantieverlängerungen gehören zum Geschäft der sogenannten "Embedded Insurance". Gemeint sind Versicherungen, die direkt beim Kauf eines Produkts angeboten werden. Für Händler und Versicherungen ist das ein wachsender Markt.
"Lassen Sie sich nicht überrumpeln, sondern lesen Sie die Bedingungen genau."
Ob sich eine Garantieverlängerung lohnt, hängt vom Einzelfall ab. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen. Denn viele Policen schließen typische Schäden oder normalen Verschleiß aus. Dann zahlt man zwar für zusätzlichen Schutz, erhält im Schadensfall aber möglicherweise keine Leistung.
Wichtig zu wissen: Für neue Produkte gilt ohnehin die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Eine Garantieverlängerung ersetzt diese Rechte nicht, sondern ergänzt sie lediglich.
Warum Ökonomen Junk Fees kritisch sehen
Der Ökonom Jan David Bakker sieht das Problem vor allem darin, dass Verbraucher Zusatzkosten oft erst wahrnehmen, nachdem sie sich bereits für ein Produkt entschieden haben. Dadurch fällt es ihnen schwer, Preise realistisch zu vergleichen. Der Wettbewerb funktioniert schlechter, weil nicht alle Kosten von Anfang an sichtbar sind.
Jan David Bakker hat sich hierfür in seiner Forschung eine Junk Fee am britischen Wohnungsmarkt genauer angeschaut: Bis 2019 mussten Mieter häufig Maklergebühren bezahlen, obwohl sie den Makler gar nicht selbst beauftragt hatten. Nach einem gesetzlichen Verbot sanken die Kosten für Mieter, während der Wettbewerb unter den Maklern zunahm.
Embedded Insurance boomt
Garantieverlängerungen sind längst kein Nischenprodukt mehr. Der Markt für Embedded Insurance wächst weltweit rasant. Das Prinzip ist einfach: Wer bereits ein Produkt kauft, schließt deutlich eher auch eine passende Versicherung ab. Genau deshalb setzen immer mehr Händler auf diese Zusatzangebote.
Für Verbraucher bedeutet das: Zusatzversicherungen begegnen ihnen heute nicht nur beim Elektronikkauf, sondern auch bei Reisen, Tickets oder Mietwagenbuchungen.
Garantieverlängerung nicht vorschnell abschließen
Eine Garantieverlängerung ist nicht grundsätzlich überflüssig. Bei besonders teuren Geräten oder speziellen Risiken kann sie sinnvoll sein. Häufig reicht jedoch bereits die gesetzliche Gewährleistung aus.
Wer eine Garantieverlängerung angeboten bekommt, sollte deshalb prüfen:
- Welche Schäden deckt die Garantie tatsächlich ab?
- Welche Ausschlüsse gelten?
- Wie hoch sind die Kosten im Verhältnis zum Gerätepreis?
- Ist das Risiko einer Reparatur wirklich so hoch?