Gen Z vor den MidtermsWas junge Leute vom Wählen abhält

Die Gen Z in den USA ist politisch, sorgt sich um Klima, Abtreibungsrechte oder Kriege – und bleibt trotzdem oft der Wahl fern. Dahinter steckt nicht nur Desinteresse. In New York versuchen zwei 16-Jährige, junge Menschen doch noch an die Urnen zu bringen.

"Sorry, are you guys registered to vote?" – immer wieder sprechen Aditya und Theodore junge Passant*innen auf dem Union Square in New York an. Die beiden sind erst 16 Jahre alt und dürfen selbst noch nicht wählen. Trotzdem wollen sie etwas gegen die geringe Wahlbeteiligung junger Menschen unternehmen. Denn politische Entscheidungen betreffen auch ihre Zukunft.

"Wenn sie nicht ihre politische Aufgabe erfüllen, dann machen sie es für den Rest von uns schlimmer, glaube ich."
Theodore, 16 Jahre, engagiert sich für junge Wähler*innen

Gemeinsam unterstützen sie die überparteiliche Initiative Vote of Teens. Sie verteilt Formulare zur Wahlregistrierung. Denn anders als in Deutschland müssen sich Menschen in den USA in der Regel erst registrieren lassen, bevor sie wählen dürfen. In New York ist eine Vorregistrierung bereits mit 16 Jahren möglich, wählen darf man aber erst mit 18.

Jung, politisch – und trotzdem enttäuscht

Bei den Midterms 2022 gaben laut Tufts-Universität nur 23 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihre Stimme ab. Das liegt laut dem Forscher Alberto Medina aber nicht einfach an mangelndem Interesse. Viele junge Menschen seien skeptisch gegenüber dem politischen System und zweifelten daran, mit ihrer Stimme tatsächlich etwas verändern zu können.

Das zeigt sich auch bei den Gesprächen auf dem Union Square. Die 19-jährige Molly erzählt von Freunden, die aus Frust nicht wählen gehen. Sie selbst fühle sich bei Themen wie Abtreibungsrechten und Klimawandel politisch nicht ausreichend vertreten. Der 17-jährige Brayden kritisiert die Militärpolitik der USA.

Mit Formularen gegen die Politikverdrossenheit

Aditya und Theodore wollen deshalb zeigen, dass politische Beteiligung trotzdem wichtig ist. Doch die Hürden sind hoch: Die Registrierungsformulare umfassen mehrere Seiten und fragen unter anderem nach persönlichen Daten und der Parteizugehörigkeit.

Nach anderthalb Stunden haben die beiden mehr als 30 Formulare verteilt. Ob daraus tatsächlich neue Wähler*innen werden, bleibt offen. Für Aditya ist die Aktion trotzdem ein Erfolg.

"Ich mag es, wenn es einen Unterschied macht. Und ich denke, es kann am Ende wirklich einen Unterschied machen.“
Aditya, 16 Jahre, engagiert sich für junge Wähler*innen

Mit ihrer Initiative wollen die Jugendlichen nicht nur Menschen für die Midterms am 3. November sensibilisieren, sondern auch langfristig mehr junge Menschen für Wahlen gewinnen.

Transparenzhinweis: Diese Recherche von Johanna Sagmeister in New York wurde durch das Daniel-Haufler-Stipendium der taz Panter Stiftung ermöglicht.