Sexuelle GesundheitWas taugen Heimtests für Geschlechtskrankheiten?

In einer Praxis über das eigene Sexleben zu reden, kann unangenehm sein. Auf Social Media liest man deshalb viel über eine Alternative: Selbsttests für Geschlechtskrankheiten. Nur: Wie sinnvoll und zuverlässig sind die?

Erst mal die Basics: Es gibt zwei verschiedene Test-Varianten, und zwar

  • Einsende-Kits mit Laboranalyse
  • und echte Schnelltests für daheim.

Einige Tests sind speziell für nur eine sexuell übertragbare Infektion (STI) oder Krankheit (STD) gemacht. Andere sind Kombi-Tests, die eine ganze Palette von Geschlechtskrankheiten auf einmal abchecken.

STD/STI-Heimtests: So geht's

In solchen Kits findet ihr meist eine ganze Menge Stäbchen, Karten, Päckchen, Becher und mehr. Eine Anleitung leitet euch durch den Test – gründlich lesen lohnt!

Macht ihr einen Selbsttest zu Hause, läuft das ähnlich wie bei Corona- oder Schwangerschaftstests ab - nach etwa 15 Minuten habt ihr schon ein Ergebnis. Bei Einsende-Kits schickt ihr die Proben – etwa ein Abstrich-Wattestäbchen – per Post an ein Labor. Das Ergebnis könnt ihr dann einige Zeit später im Webportal des Testherstellers abrufen, meistens 24 bis 48 Stunden nach Eingang eurer Proben.

"Ich war echt ein bisschen aufgeregt - obwohl dafür eigentlich kein Grund bestand. Zum Glück war dann auch alles grün - also clean."
Caro Nieder, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das wäre die praktische Seite. Aber wie zuverlässig sind die Tests? Laut Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft, sind diese Tests genauso zuverlässig, wie die in einem offiziellen Testzentrum.

"Es gibt auch sehr viele Studien: Die [Tests] haben teilweise bessere Ergebnisse, wenn die Patienten das selber abnehmen, als wenn es Mitglieder aus dem ärztlichen Team gemacht haben."
Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft

Der Fachmann sagt also, dass wir uns mit sehr großer Sicherheit auf die Ergebnisse solcher selbst gemachten Tests verlassen können. Allerdings weist er darauf hin, dass wir uns exakt an die Anleitung halten müssen, um wirklich ein zuverlässiges Ergebnis zu bekommen.

Wechselnde Partner*innen? Regelmäßig testen, auch bei großer Vorsicht

Wer sexuellen Kontakt mit jemandem hatte, der eine Geschlechtskrankheit hat, sollte sich auf jeden Fall testen oder testen lassen. Und auch wer wechselnde sexuelle Kontakte hast, sollte sich regelmäßig auf STD und STI screenen – laut Norbert Brockmeyer spätestens nach fünf bis sechs verschiedenen sexuellen Kontakten, selbst wenn du sehr vorsichtig bist und dich geschützt hast.

"Manchmal hat man keine Symptome oder schätzt sein Sexualleben als gar nicht risikoreich ein, ist aber infiziert und kann es weitergeben."
Caro Nieder, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wenn Du etwas spürst oder riechts, etwa Symptome wie Schmerzen, Brennen, Bläschen oder Ausfluss aus der Harnröhre hast, solltest du auf jeden Fall schnell zu eienm Arzt oder einer Ärztin gehen und nicht erst selbst testen. In einer Praxis würde ohnehin getestet und es wird dann auch direkt therapiert.

Und keine Sorge: Wenn du Symptome hast oder Risikopatient bist, wird so ein Test beim Arzt normalerweise über die Krankenkasse abgerechnet – ist für dich also kostenlos. Ansonsten bieten beispielsweise die Aidshilfe oder Gesundheitszentren meist auch nicht teuer Tests vor Ort an – inklusive Beratung.