Bussi, Knutscher, SchmatzerBeim Küssen werden (auch) Allergene ausgetauscht

Küssen ist gut – nicht nur, weil es die Bindung zu einem Partner stärken kann, sondern auch unser Immunsystem. Was Spaß bringt, kann für Allergiker aber auch zum Ernstfall werden: Wie wir küssen können, ohne andere mit Allergenen zu gefährden.

Beim Küssen teilen wir nicht nur einen intimen Moment miteinander, sondern tauschen auch die Inhalte unserer Mundinnenräume aus. Und die setzen sich aus vielen Bestandteilen zusammen, auch wenn über 99 Prozent unseres Speichels aus Wasser besteht.

"Jeder zehnte Kuss überträgt mehr Gluten, als in glutenfreien Lebensmittel drin sein sollte."
Tobi Blum, Deutschlandfunk Nova

Der Speichel enthält außerdem noch ein paar Salze, Proteine, die zum Beispiel bei der Verdauung helfen, Abwehrstoffe von unserem Körper und Mucine. Das sind Moleküle, die die Schleimhäute im Mund schützen und dafür sorgen, dass das Essen gut Richtung Speiseröhre transportiert wird. Die sogenannten Mucine machen den Speichel zudem auch ein wenig zähflüssiger, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobi Blum.

Küsse sind nicht immer glutenfrei

Aber auch Viren, Bakterien und Allergene wie beispielsweise Gluten – Proteine aus Weizen – und Spuren von Erdnüssen, die sich in mikroskopischen Essensresten in unserem Mund befinden, geben wir beim leidenschaftlichen Knutschen weiter. Es wurde untersucht, ob das für Menschen mit Zöliakie, also einer Glutenunverträglichkeit, eine gesundheitliche Reaktion auslösen kann.

"Insgesamt überträgt ein Kuss nur wenig Gluten, und wenn der gesunde Küssende vorher einen Schluck Wasser trinkt, ist es so wenig Gluten, dass sich niemand ernsthafte Sorgen machen muss."
Tobi Blum, Deutschlandfunk Nova

Eine aktuelle Studie bestätigt, dass Gluten-Austausch beim Küssen möglich ist, aber zeigte auch, dass das Risiko gering ist und sich zudem leicht verringern lässt. Zu Untersuchungszwecken ließ eine US-amerikanische Lebensmittelwissenschaftlerin Testpersonen erst einen Cracker essen und dann eine andere Person küssen.

Es zeigte sich, dass bei jedem zehnten Kuss mehr Gluten übertragen wurde, als in glutenfreien Lebensmitteln enthalten ist. Aber das Risiko ließ sich leicht durch einige Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Kusspartners verringern, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobi Blum zusammenfassend:

  • ein Glas Wasser trinken
  • Zähne putzen
  • Kaugummi kauen

Dokumentierter Fall von Antibiotika-Unverträglichkeit nach Kuss

Medizinisch dokumentierte Fälle zeigen, dass Küssen nicht nur bei Menschen mit Erdnussallergien Reaktionen hervorrufen können, sondern auch beispielsweise auch bei Schalentieren, also Shrimps und ähnlichem.

Aber auch zu einer Antibiotika-Unverträglichkeit gibt es einen Bericht über einen Fall, bei dem ein Kuss ausgereicht hat, um dann eine allergische Reaktion beim Kusspartner auszulösen.

Anaphylaktischer Schock, verursacht durchs Küssen

Je nach Allergie kann es sich um ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Mund handeln, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobi Blum. In schweren Fällen kann ein Kuss sogar zu einem anaphylaktischer Schock führen. Bei Letzterem handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der lebensgefährlich ist.

"Es gibt die Schätzung, dass beim Küssen jede Sekunde acht Millionen Bakterien übertragen werden – und auch Viren."
Tobias Blum, Deutschlandfunk Nova

Aber auch eine Erkältungskrankheit oder Grippe kann durch die Übertragung von Viren ausgelöst werden. Durch das Küssen werden jedoch nicht nur Krankheitskeime übertragen, es kann durchaus auch Vorteile bringen:

Denn in unserem Mund befinden sich viele Bakterien, die nicht krank machen, sondern das Immunsystem stärken können. Und je vielfältiger die Zusammensetzung dieser Bakterien ist, desto besser ist das für unsere Gesundheit, fasst Tobi Blum die Erkenntnisse aus Studien zusammen.

Durch das Küssen steigert sich die Bakterienvielfalt in unserem Mund. Bei Paaren, die schon eine Weile zusammen sind, gleichen sich die Bakterien im Mund mit der Zeit an. Schön bleibt es trotzdem.