GrillkohleTropenholz drin – trotz Siegel drauf

Es ist wieder Grillsaison - und für die meisten ist klar: Am besten schmeckt es mit Holzkohle. Jetzt hat aber die Stiftung Warentest eine neue Untersuchung veröffentlicht. Das Ergebnis: Oft ist im Sack mit der Holzkohle Tropenholz enthalten.

Es ist keine neue Info: Wer die Holzkohle im Sack kauft, kann nie sicher sein, dass sie oder er für sein Steak, seine Wurst oder seinen Halloumi-Käse kein Tropenholz verfeuert. Das hat hat ein Test der Stiftung Warentest jetzt noch einmal bestätigt. Aber immerhin: Ein bisschen was hat sich getan im Geschäft mit der Kohle. Im vergangenen Jahr gab es eine ähnliche Untersuchung des WWF und vom NDR. Damals waren in vier von zehn Packungen Tropenhölzer enthalten und in sechs von zehn stammte das Holz aus Regionen, in denen viel Holz illegal geschlagen wird.

Diesmal wurde nur noch in knapp einem Drittel der Holzkohle Tropenholz gefunden und nur knapp die Hälfte der 17 Anbieter haben gesagt, dass sie Holz aus der Ukraine verwenden, eine Region, in der viel Holz illegal geschlagen wird. Kurz: Die Zahlen sind etwas besser, am Grundproblem, dass viele Hersteller nicht ehrlich sind, ändert sich nichts.

Das Problem: Hersteller müssen nicht angeben, woher das Holz stammt. Nur einer der 17 getesteten hat es auf seine Packung geschrieben. Deshalb ist es auch schwierig, nachzuvollziehen, ob das Holz aus einem Land kommt, wo besonders viel illegales Holz geschlagen wird – etwa aus Nigeria, Paraguay oder eben der Ukraine. Das wäre nicht mal verboten, erklärt Matthias Wurms aus unserer Nachrichtenredaktion. Es darf zwar kein Holz aus illegalem Raubbau in die EU importiert werden, Holzkohle und Briketts aus solchem Holz aber schon. Die EU verspricht seit Jahren, die entsprechende Verordnung anzupassen. Geschehen ist bislang allerdings nichts.

"Es darf zwar kein Holz aus illegalem Raubbau in die EU importiert werden – Holzhohle oder Briketts aus diesem Holz aber schon."
Matthias Wurms, Dlf-Nova-Nachrichten

Zwar gibt es Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft – die helfen allerdings nur in der Theorie. Die Prüfer haben auch dieses Jahr Tropenholz gefunden, obwohl ein FSC-Siegel drauf war. Das soll eigentlich nachhaltige Bewirtschaftung garantieren, aber das Problem ist, dass die Kontrollen viel zu lasch sind, und dass die Produzenten für das Siegel zahlen müssen, also praktisch Kunden sind – und die will niemand verlieren. Kurz: Das Siegel ist nicht unabhängig. Ein Grund, warum das Gründungsmitglied Greenpeace vor einigen Jahren ausgetreten ist.

Ganz überflüssig sind diese Siegel allerdings nicht. So gab es im vergangenen Jahr einen Fall, bei dem FSC-Kontrolleure dem Produzenten das Siegel entzogen hatten, weil Tropenholz gefunden wurde. Die Folge: Aldi Süd und Lidl hab diese Holzkohle aus dem Sortiment genommen. Trotzdem ist klar: Wirklich sicher könnt ihr nicht sein, wenn ihr euch auf Siegel verlasst. Dazu kommt: Holzkohle lässt sich ganz genau nur mit speziellen Mikroskopen analysieren. Das ist ziemlich aufwendig. Selber testen scheidet also aus.

Alternative zur Holzkohle finden

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine Alternative zur Holzkohle finden. Zum Beispiel die Spindeln von Maiskolben, die übrig bleiben, wenn die Körner ab sind. Die könnt ihr gut anzünden und sie geben eine tolle Glut. Wer keinen Mais mag, kann auch mal beim Bauern nachfragen ob der Maisspindeln übrig hat.

Gut funktionieren auch Kokos-Briketts. Die brennen deutlich länger als Holzkohle, sind aber auch teurer. In Bioläden könnt ihr außerdem Briketts aus Olivenkernen kaufen. Die werden zum Beispiel in Griechenland schon lange benutzt. Oder ihr verfeuert Weinreben und Weinstöcke. Die machen ein schönes Aroma und absorbieren auch das Fett, das in die Glut tropft.

Genauso gut funktioniert natürlich richtiges Holz. Das sollte aber wirklich trocken sein und ihr müsst das Aroma mögen. Matthias Wurms empfiehlt Buche, aber auch Eiche, Esche oder Ahorn. Was alle diese Alternativen gemeinsam haben: Ihr müsst euch rechtzeitig darum kümmern und könnt nicht schnell an der Tanke vorbeifahren, bevor es zum Grillplatz geht. Oder ihr nehmt einen Gasgrill. Wobei viele Puristen sagen: Das ist nicht das Gleiche.