ChicagoPolizisten trainieren, nicht zu schießen

Polizeigewalt in den USA ist ein großes Thema, natürlich auch im US-Wahlkampf. Die Zahlen schockieren: Allein in diesem Jahr wurden laut New York Times 754 Menschen von Polizisten erschossen. Oft liegt es an mangelnder Ausbildung, sagt Hanna Ender, die für uns quer durch die Staaten reist.


Nach den Schüssen auf Michael Brown in Ferguson hat das Weiße Haus angekündigt, das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Polizei wieder herzustellen. Wichtigster Punkt sind wahrscheinlich die Polizeitrainings, denn in den USA werden Polizisten gerade einmal 15 Wochen lang ausgebildet - zum Vergleich: in Deutschland sind es zweieinhalb Jahre.

"Polizeischüler in den USA lernen vor allem, wie man schießt. Ihnen wird eingebläut, dass Zögern tödlich sein kann, und Deeskalationstrainings finden gar nicht erst statt."
Hanna Ender, DRadio Wissen
Hanna Ender reist von New York nach Los Angeles und berichtet, was die Menschen auf der Strecke im wohl härtesten Wahlkampf der US-Geschichte bewegt.

Seit Ferguson findet ein Umdenken statt

Seit die Proteste der Schwarzen in den USA immer mehr werden und immer mehr Menschen gegen Diskriminierung und Polizeigewalt protestieren, werden Schulungen in Deeskalation angeboten, die zwar nicht das Rassismusproblem lösen, aber zumindest ein erster Schritt sind. Alexa James trainiert Polizisten in einwöchigen Workshops beispielsweise indem sie bestimmte Situationen durchspielt.

"We do active role plays with the officers. They learn about what is a different method you could have used. They say it’s like the best training, they ever had."
Alexa James gibt Deeskalations-Workshops für Polizisten in den USA

Das Problem ist, dass nicht jedes Polizei-Department genug Geld hat, um so ein Training anzubieten.

Auch Zuhören muss gelernt werden

Viele Polizisten - so berichtet Alexa James - bekommen in ihrer kurzen Ausbildung beigebracht, dass "die da draußen" böse sind. Ihnen werden Videos vorgespielt, die zeigen, wie andere Polizisten sterben, weil sie gezögert haben zu schießen. Wie man aber mit Menschen redet und ihnen zuhört, sogenannte Social Skills, lernen sie erst im Seminar bei Alexa James.

"We have police officers standing up weeping, like ‘We never undertstood, until we saw this’. That is the part that creates compassion and it also decreases stigma."
Alexa James gibt Deeskalations-Workshops für Polizisten in den USA

Trump wünscht sich eine noch härtere Polizei

In kurzer Zeit hat unsere Reporterin Hanna Ender schon einige Erfahrungen mit Polizeigewalt gemacht. Sie war kurz nach dem Tod von Tayvon Martin auf Demos in L.A., wo die Polizei mit Gummi-Geschossen in die Menge geschossen hat.

Grade erst letzte Woche war sie in Washington und wurde Zeugin davon, wie mehrere Schwarze von der Polizei - unverhältnismäßig brutal, wie sie sagt - festgenommen wurden.

"Ein paar schwarze Straßenhändler, ohne Lizenz, wurden von den Polizisten zu Boden geworfen, ihnen wurden Handschellen angelegt."
Hanna Ender, DRadio Wissen

Hanna hält Deeskalationstrainings zwar für einen guten Anfang, glaubt aber, dass es noch lange dauert, bis das Problem in den USA gelöst ist.

Donald Trump hat seine Lösung in einem Interview bekannt gegeben: Wenn er Präsident wird, dann sollte die Polizei noch härter durchgreifen.