Inside SchlafambulanzWie Insomnie behandelt wird
Etwa jeder achte Erwachsene in Deutschland leidet unter Schlafstörungen, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts. Halten diese Probleme über längere Zeit an und belasten das Leben, kann eine Insomnie diagnostiziert werden. Wie sie therapiert wird.
Wer unter Schlafstörungen leidet und etwas dagegen tun möchte, kann sich vom Hausarzt oder der Hausärztin in eine Schlafambulanz überweisen lassen. So wie die Schlafambulanz der universitären psychiatrischen Kliniken in Basel, an der Schlaftherapeutin Dr. Christine Blume arbeitet.
"Nach einer kurzen Vorstellung und ein paar Formalitäten lasse ich die Patientin erstmal berichten, weshalb sie bei mir ist und was sie sich von der Behandlung erhofft."
Um genauer einzugrenzen, welche Schlafstörung vorliegt, stellt ein Arzt oder eine Ärztin in einem Erstgespräch zunächst einmal Fragen zu den Lebensumständen und zu möglichen Vorerkrankungen der behandelten Person. Und natürlich auch zu deren Schlaf selbst, erklärt Christine Blume:
"Mich interessiert einerseits natürlich, wie der Schlaf momentan ist. Wann die Patientin schläft, wie regelmäßig, wie lang, ob das Einschlafen oder das Durchschlafen eher das Problem ist oder beides. Dabei hilft mir auch das Schlaftagebuch, das hab ich ihr nämlich ein bis zwei Wochen vor unserem ersten Termin schon geschickt und darin hat sie für jede Nacht ihren Schlaf protokolliert."
Manche Patient*innen verbringen auch eine Nacht im Schlaflabor, das ist aber nicht in allen Fällen notwendig.
Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie
Die empfohlene Behandlungsmethode bei chronischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie. Das sind in der Regel acht Sitzungen mit je 45 Minuten. Hierfür einen Platz zu bekommen, ist aber oft schwierig, erklärt Christine Blume. Auch in der Schlafambulanz in Basel gebe es eine lange Warteliste.
Christine Blume möchte erfahren, ob die Patientin oder der Patient einen Auslöser für die Schlafprobleme benennen kann, ob es Situationen oder Zeiten gibt, in denen der Schlaf besser ist und was sie oder er bereits versucht hat, um das Problem selbst in den Griff zu bekommen.
Hypothese und Angebot der Bettzeitreduktion
Danach formuliert Christine Blume eine Hypothese. Sie erklärt, was sie denkt, was die Ursache für die Schlafprobleme sein könnte. Und sie macht der Patientin ein Angebot: "Oft schlage ich zum Beispiel vor, dass wir die Zeit, die sie im Bett verbringen wird, zunächst erstmal verkürzen werden. Ich erkläre ihr genau, wie wir da vorgehen und was das für sie bedeutet, aber auch, warum ich glaube, dass das hilfreich sein kann und wie ich sie in dieser Zeit unterstützen werde."
"Diese Wachzeiten, die wollen wir wegbekommen. Die sind quälend und nicht schön.“
Was Blume beschreibt, nennt sich Bettzeitreduktion: Die Zeit, die ein Patient im Bett verbringen "darf", wird reduziert.
Wenn beispielsweise eine Patientin beschreibt, dass das Einschlafen meist ganz gut klappt, sie aber nachts ein bis drei Mal aufwacht und dann 30 bis 60 Minuten braucht, um wieder einzuschlafen, geht Blume so vor: "Wir vereinbaren, dass sie ab heute Abend nur noch sechs Stunden im Bett liegt. In ihrem Fall einigen wir uns zum Beispiel auf ein Uhr bis sieben Uhr."
Die Angst, (noch) wenig(er) zu schlafen
Zeigt das Schlaftagebuch etwa, dass die Patientin zwar acht Stunden im Bett liegt, davon dann aber zwei Stunden nicht schläft, dann werden diese zwei Stunden erst einmal weggelassen. Das kann bei Patient*innen Ängste auslösen, denn sie fühlen sich oft ohnehin schon tagsüber völlig übermüdet. Auch über diese Ängste wird in der Therapie gesprochen.
"Wir wollen ja gar keine Schlafzeit klauen, sondern wir wollen diese Wach-Zeiten in der Nacht wegbekommen.“
Ziel sei es, dass die Patient*innen spüren und lernen: Hey, das klappt. Es ist zwar zu wenig, aber ich kann schlafen. Über die acht Sitzungen begleitet Christine Blume ihre Patient*innen in diesem Lernprozess.
In dieser Folge Über Schlafen geht es auch darum, wie mit Rückschlägen in der Therapie umgegangen wird.
Tipp: Über Schlafen LIVE – auf dem Silbersalz-Festival in Halle an der Saale am 30. Oktober