Instant-ChemistryFreundschaft auf den ersten Blick? Das geht.
Langsames Kennenlernen, Texten, Treffen? Nicht alle Freundschaften funktionieren so. Manchmal stimmt die Chemie zwischen Menschen einfach – und das klappt auch bei Erwachsenen, ehrlich.
Seit rund zwei Monaten kennt sie ihre Freundschaft-auf-den-ersten-Blick-Freundin, und in wenigen Wochen fahren sie zusammen in den Urlaub: Das ist Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Braun passiert. Und so richtig glauben kann sie es eigentlich selbst nicht. Freundschaftscoach Theresa Scholten hat ihr bestätigt: Zwischenmenschliche Instant-Chemistry, das Phänomen ist echt.
"Diese Instant-Chemistry, also: Wir haben eine Chemie, hier gibt’s einen Vibe. Das gibt’s auf jeden Fall."
Diese hohe Entscheidungsgeschwindigkeit kennen wir aus dem Alltag, findet Anna Braun. Wir entscheiden innerhalb von Millisekunden intuitiv, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht, sagt sie.
Fast-friendship mit Risiken
Sich ähnlich sein und sich ähnlich sehen, das spielt dabei aus psychologischer Sicht eine große Rolle. Das kann unsere Verbundenheit noch einmal stärken.
So eine Fast-Friendship kann aber auch nach hinten losgehen, sagt Theresa Scholten. Denn es besteht immer die Gefahr, zu viel in diese neue Freundschaft zu projizieren: "Dass man am Anfang zu sehr denkt: Wir sind uns super ähnlich – und entwickelt sich dann doch auseinander."
Erst Klick, dann Freundschaft
Das komme bei einer gewachsenen Freundschaft, die sich nach und nach entwickelt, nicht so leicht vor. Da habe man aber vielleicht auch nicht die Erwartung: Das ist jetzt mein Seelenverwandter, sagt Theresa Scholten. Nach dem ersten Klick sei es entscheidend, dass beide viel Zeit miteinander verbringen.
Der Kommunikationsforscher Jeffrey Hall geht nach rund 80 Stunden, die bewusst gemeinsam verbracht worden sind, von Anfängen einer Freundschaft aus. Bei engen Freunden sogar noch mehr.
"Die krasse Zahl ist: 200 Stunden innerhalb weniger Monate. Von total fremd bis bester Freund."
Also, auch wenn die Chemie beim ersten Treffen noch so gut ist, gilt die Faustregel: Für eine richtige Freundschaft braucht es dann auch richtig viel gemeinsam verbrachte Zeit.