Iran-KriegTrump, Hormus und die Angst vor mehr Hunger
Trump sagt: Hormus ist wieder offen. Der Iran sieht das anders. Während beide Seiten weiter streiten, stockt der Handel – etwa von Öl, Gas oder Dünger. Das kann weitreichende Folgen für unsere Nahrungsmittel haben und weltweit Hunger verschärfen.
Gibt es ernsthafte Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran? Und ist die Straße von Hormus offen, oder nicht? Seit Monaten bestimmen diese Fragen immer wieder die Nachrichten. US-Vizepräsident JD Vance sagt: Die USA seien mitten im Spiel. Es soll so viel Öl und Gas aus dem Golf kommen wie vor dem Krieg. US-Präsident Donald Trump spricht von einem Erfolg: Die Straße von Hormus sei wieder frei.
Dieses 'Spiel', wie es Vance nennt, hat allerdings konkrete Auswirkungen für Menschen in Ländern wie Kenia, Pakistan oder Bangladesch. Francisco Marí sieht die Folgen jeden Tag bei seiner Arbeit für Brot für die Welt. Dort beschäftigt er sich vor allem mit Landwirtschaft und Handel und setze sich dafür ein, dass die Perspektiven von Menschen im Globalen Süden gehört wird.
Teurer Dünger, weniger Essen
Gerade in ärmeren Ländern würden die durch die Hormus-Blockade gestiegenen Transportkosten die Preise erhöhen. Zudem produzierten die Golfstaaten rund 30 Prozent des weltweit verwendeten chemischen Düngers, was den zusätzlich verteure.
"Wenn das alles teurer wird, dann verringert sich alles, auch die eigene Nahrung."
Besonders betroffen seien davon zum Beispiel Bäuerinnen und Bauern in Bangladesch. Ein großer Teil ihrer Ernte müsse über das Jahr zur Ernährung reichen. Für den Reisanbau würden jedoch Dünger und teils auch Pestizide benötigt. Steigende Kosten bedeuteten deshalb, dass weniger Geld für die eigene Ernährung bleibe und Armut im Alltag noch stärker spürbar werde.
Eine Krise mit langem Nachhall
Die steigenden Lebensmittelpreise zeigen sich bereits im Alltag von Familien in Bangladesch, warnt Francisco Marí. Manche Eltern würden ihre Kinder ohne Frühstück zur Schule schicken, in der Hoffnung, dass diese dort eine Mahlzeit bekämen.
"Selbst wenn der Krieg morgen beendet ist, ist die Hungersituation nicht besser. Das wird bis ins nächste Jahr gehen."
Auch bei der aktuellen Reisaussaat zeige sich das Problem. Viele Bauern würden jetzt weniger Chemiedünger verwenden, weil dieser zu teuer geworden sei. Dadurch werden die Ernten geringer ausfallen und der Reispreis weiter steigen, sagt Francisco Marí voraus. Selbst bei einem schnellen Ende des Krieges werde sich die Ernährungssituation deshalb noch bis ins nächste Jahr nicht verbessern.
Straße von Hormus: keine schnelle Öffnung in Sicht
Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik forscht unter anderem zum Persischen Golf, zum Nahen Osten und zu islamistischem Terrorismus. Er widerspricht der Aussage von Donald Trump, die Straße von Hormus sei bereits von Minen befreit und werde von den USA kontrolliert. Dort würden noch hunderte oder sogar tausende Minen vermutet. Zudem drohe Iran weiterhin mit Raketen und Drohnen.
"Es werden noch hunderte, vielleicht tausende Minen vermutet und die USA haben nicht die Kontrolle über die Straße von Hormus."
Der Iran habe ein starkes Interesse daran, die Straße von Hormus zeitnah zu öffnen, erklärt Guido, da mehr als 90 Prozent der iranischen Ölexporte durch die Meerenge verliefen. Gleichzeitig knüpfe die Führung eine Öffnung an weitreichende Bedingungen – etwa an Reparationszahlungen der USA und an das Ende der US-Blockade iranischer Häfen.
Aus amerikanischer Sicht seien die iranischen Forderungen jedoch nicht akzeptabel, weshalb eine schnelle Einigung derzeit wenig wahrscheinlich erscheine. Der Iran setze auf ein Geduldsspiel und hoffe, dass die USA angesichts des wirtschaftlichen Drucks zuerst nachgeben.
Das Kalkül der iranischen Führung
Dabei setze die iranische Führung offenbar darauf, dass Präsident Trump wegen der bevorstehenden Zwischenwahlen auch die Sorgen der eigenen Bevölkerung berücksichtigen und stärker auf die wirtschaftlichen Folgen reagieren müsste. Der Iran glaubt, länger durchhalten können.
"Die Iraner sind noch nicht einmal bereit, die Sorgen der eigenen Bevölkerung ernst zu nehmen. Deswegen ist denen das vollkommen egal."
Für die Menschen im Iran sei die Situation äußerst schwierig, die wirtschaftliche Lage bereits katastrophal. Und es werde immer schlimmer. Die Führung habe Proteste in der Vergangenheit wiederholt mit Gewalt niedergeschlagen und gehe offenbar davon aus, dass sie wachsenden Unmut auch weiterhin kontrollieren kann. Und so spielt der Iran auf Zeit, so Guido Steinberg - mögliche Folgen für Millionen hungernder Menschen seien dem Regime offenbar vollkommen egal.
Trump steckt im Dilemma
Auch die Bemühungen der Nachbarstaaten – Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien, die Türkei, Ägypten und Katar versuchen zu vermitteln – reiche bislang nicht aus. Die iranische Führung sehe sich in einem existenziellen Kampf und fühle sich stark genug, die Interessen der Nachbarn zu ignorieren.
"Ich fürchte, dass wir in dem Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden und zwischen Öffnung und Schließung der Straße von Hormus noch einige Zeit verbringen werden – mit allen Folgen."
Guido Steinberg geht davon aus, dass es wieder zu Verhandlungen kommen wird. Auf US-amerikanischer Seite nehme die Bereitschaft ab, den Krieg fortzusetzen – unter anderem wegen der bevorstehenden Zwischenwahlen und militärischer Problemen. Die Regierung Trump befinde sich deshalb in einem schwierigen Dilemma und werde versuchen, durch Verhandlungen weitere Zugeständnisse zu erreichen.
Gleichzeitig sei aber kein Ergebnis in Sicht, das für die USA derzeit akzeptabel wäre. Deshalb sei die weitere Entwicklung nur schwer vorherzusagen. Der Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden sowie zwischen einer Öffnung und Schließung der Straße von Hormus werde deshalb noch einige Zeit andauern – mit allen Folgen für die Welt.