KernfusionWarum ein Startup ein AKW übernimmt

Was will ein Start-up mit einem alten AKW-Reaktor? Und warum setzen Tech-Konzerne und der Kanzler auf Strom, den es noch gar nicht gibt? Bei der Suche nach Antworten stoßen unsere Hosts auf Gurken, Laser und jede Menge Science-Fiction.

Kernfusion – schon mal gehört? Weltweit arbeiten mehr als 50 Start-ups daran, diese Form der Energieerzeugung so weit zu entwickeln, dass sie mit Strom aus Windrädern und Solaranlagen konkurrieren kann.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt darauf, dass einem deutschen Unternehmen genau das gelingt: "Dann wird Strom zu einer Commodity, die im kleinsten einstelligen Cent-Bereich verfügbar sein wird. Und dann wird es in diesem Umfang andere Energieerzeugungsmethoden nicht mehr brauchen."

Darmstädter Start-up übernimmt altes AKW

Unser Team von "What the Wirtschaft?!" hat einen der Gründer eines solchen Start-ups getroffen: Markus Roth von Focused Energy. Um ein solches Kraftwerk zu bauen, sind er und sein Team sogar so weit gegangen, die alten Reaktorblöcke des stillgelegten Atomkraftwerks Biblis vom Energiekonzern RWE zu übernehmen.

"Da war mein erster Gedanke: 'Wie verrückt muss ich sein, mir ein Atomkraftwerk ans Bein zu binden?' Und dann haben wir festgestellt: Das ist eine super Idee."
Markus Roth, Co-Gründer von Focused Energy
Im hessischen Biblis soll ein Laserfusionskraftwerk entstehen (Entwurfsillustration).

Es fließt viel Geld – aber noch kein Strom

Die Idee der Kernfusion finden längst auch Investoren gut: Tech-Konzerne wie Google und Microsoft haben mit einzelnen Start-ups bereits Verträge über künftigen Fusionsstrom geschlossen. Focused Energy wiederum hat bereits 240 Millionen US-Dollar an privatem Kapital eingesammelt – hinzu kommen öffentliche Fördermittel von Land und Bund.

Nur der Strom dürfte frühestens in den 2040er-Jahren fließen. Die Ökonomin Charlotte Dering von der TU Berlin ist daher skeptisch, ob sich die Fusion jemals am Markt behaupten kann.

"Bei fast jedem Start-up, das schon eine gewisse Historie hat, sehen wir, dass die ersten Versprechen schon nicht eingehalten werden. Die Kostenprognosen werden immer höher."
Charlotte Dering, Nachwuchsforscherin an der TU Berlin

Welche technischen und wirtschaftlichen Hürden der Branche im Weg stehen, wie es auf einem alten AKW-Gelände aussieht und was das alles mit Lasern, Gurken und jeder Menge Science-Fiction zu tun hat, hört ihr in der aktuellen Folge von "What the Wirtschaft?!".