KI-generierte MusikExistenzelle Einbußen für Musiker erwartet

KI wird trainiert, um Content zu generieren, der möglichst authentisch wirkt und den Nerv der Zeit trifft. Fürs Training werden etwa Originalwerke von Musikern genutzt. Das frustriert Urheber. Eine Klage der GEMA könnte umfassende Veränderungen anstoßen.

Ein neuer Song kommt raus. Super emotional, deep, und der Text trifft mitten ins Herz. Wir hören ihn in Dauerschleife, bis wir irgendwann feststellen, dass die Sängerin mit der kehligen Stimme gar nicht existiert: Alles nur KI. Irgendwie fühlt sich das an, als würde man reingelegt.

Und der Song? Klingt irgendwie immer noch geil. Nur blöd, dass die Gefühle, die das Lied transportiert, gar nicht von einer Songschreiberin stammen, sondern eine Art Imitation sind. Täuschend echt, aber irgendwie auch ziemlich enttäuschend.

"Im Großen und Ganzen fühlt man sich da schon ausgeliefert und ein bisschen machtlos."
LGoony, Rapper

So mag sich das für diejenigen anfühlen, die den Song im Netz entdeckt haben. Aber für Komponisten, Musiker und Interpreten ist es gleichzeitig auch ein existenzielles Problem. Mit ihren Songs, deren Urheber sie sind, ist eine KI trainiert worden, die nun ein neues Werk erschaffen hat.

Millionen neuer KI-Songs auf Streaming-Plattformen sorgen dafür, dass das Werk von "echten" Künstler*innen weniger wahrgenommen wird, denn es entsteht eine große Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Nutzer*innen.

Entwertet KI-generierte Musik die Originalwerke?

Das Urheberrecht schützt Musikkompositionen und Texte automatisch ab ihrer Schöpfung. Für die öffentliche oder kommerzielle Nutzung benötigt man in der Regel eine Lizenz des Rechteinhabers. Das gilt zum Beispiel für Cover-Versionen oder Remixe. Für die Art und Weise, wie KI-Modelle existierende Musik weiterverarbeiten, gibt es momentan jedoch noch keine Richtlinien.

"Dadurch, dass neue Technologien entstanden sind und die Regulierungen noch nicht nachgerückt sind, entsteht da so eine Lücke, die mir suggeriert: 'Na ja, Urheberrecht ist jetzt doch nicht mehr so wichtig, wenn ein Riesenkonzern dahinter steht.'"
Alice Francis, Musikerin und Vorstandsmitglied des Verbandes Promusik

Dass KI-Konzerne einfach machen, was sie wollen, sendet laut Alice Francis, Musikerin und Vorstandsmitglied des Verbandes Promusik, ein gefährliches Signal. Musikschaffende fordern deswegen eine schnelle Reaktion seitens der Politik und sehen das als einzige Hoffnung, den Beruf des Musikers und Komponisten zu schützen.

"Am meisten habe ich die Befürchtung, dass Musik immer weiter entwertet wird und im Endeffekt nicht mehr stattfinden wird, weil es sich nicht mehr rentiert."
LGoony, Rapper

Laut einer Studie, die unter anderem die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) in Auftrag gegeben hat, werden bis 2028 rund ein Drittel der potenziellen Einnahmen von Musikschaffenden in Deutschland an die KI-Konkurrenz gehen. Zum einen, weil Auftragsarbeiten wie Werbe- oder Hintergrundmusik von einer KI günstiger sind, und zum anderen, weil echte Musiker*innen auf Streaming-Plattformen mit einer Flut an KI-Musik um Sichtbarkeit und Geld konkurrieren. Denn die KI-Musik landet im gleichen Ausschüttungstopf wie die der echten Artists.

"Warum setzen sich die großen Labels mit diesen Herstellern an einen Tisch und beraten, wie sie daran beteiligt werden? Und die Leute, die das überhaupt möglich gemacht haben, die wurden nicht gefragt und die werden nicht beteiligt?"
Alice Francis, Musikerin und Vorstandsmitglied des Verbandes Promusik

Bislang hat nur der Streaming-Anbieter Tidal angekündigt, vollständig KI-generierte Songs nicht mehr zu vergüten. Und: Nur die US-Plattform Bandcamp lässt gar keine KI-Musik zu. Dagegen integriert Spotify jetzt selbst KI-Tools für seine User, eine Neuerung, an der die Major-Labels Warner und Universal beteiligt sind.

Denn sie haben sich mit den führenden Musikgeneratoren Udio und Suno hinter geschlossenen Türen auf einen Deal geeinigt, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Roschan Häßlin die aktuellsten Entwicklungen auf dem Musikmarkt zusammen.

GEMA verklagt Musik-KI Suno

Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Seit März läuft das erste Verfahren in Europa, das die Nutzung von Audioinhalten durch KI-Unternehmen verhandelt. Die GEMA hat die Musik-KI Suno verklagt. Ende Juli 2026 kommt das Urteil, und es könnte weltweit ein Signal setzen. Dass Geldstrafen den millionenschweren Konzernen nur minimal zusetzen, ist allerdings auch klar.

Ohne einheitliche Regeln rund um das Thema KI und Urheberrecht auf EU-Ebene werden die Musiker*innen weiterhin um ihre Existenz fürchten müssen.