Trotz heißem SommerDie Klimaskepsis wächst – warum?

Eine skeptische Haltung zum Klimawandel muss nicht heißen, dass der menschengemachte Klimawandel an sich geleugnet wird. Manchmal werden auch nur die Auswirkungen infrage gestellt. Einen deutlichen Anstieg der Klimaskepsis gab es von 2022 auf 2023. Eine Studie erforscht die Ursachen.

Dürreperioden, Wasservorräte, die schwinden, Hitzerekorde, Waldbrände und Extremwetter-Phänomene, die sich häufen. Forschende führen das auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Eine Studie hat untersucht, wie sich die Klimaskepsis in Deutschland im letzten Jahrzehnt entwickelt hat. Die Definition von Klimaskeptizismus ist in dieser Studie sehr breit angelegt, erklärt die Studienautorin Katharina Gies.

Untersucht wird in dieser Studie ein breiteres Spektrum an Einstellungen, die sich um das Verharmlosen, Infragestellen oder Ablehnen von sowohl wissenschaftlichen Fakten zur Klimakrise als auch gesellschaftlichen und politischen Reaktionen auf die Klimakrise selbst drehen, erläutert Katharina Gies.

"Das Wichtige am Klimawandel-Skeptizismus-Konzept ist, dass das nicht automatisch mit Klimawandel-Leugnung gleichzusetzen ist. Die Leugnung der Klimakrise stellt das äußerste Ende dieses Spektrums dar."
Katharina Gies, eine der Studienautor*innen einer repräsentativen Studie zur Klimaskepsis in Deutschland, Europa-Universität Flensburg

Für den Zeitraum zwischen 2014 und 2023 haben sich die Studienautor*innen 14 klimawandelskeptische Einstellungen aus folgenden Bereichen angeschaut:

  • Evidenzbasierter Skeptizismus (auch Trendskeptizismus) – die Existenz oder das Bevorstehen einer ökologischen Krise wird angezweifelt
  • Cause-Skeptizismus – die menschliche Verursachung der Klimakrise wird infrage gestellt
  • Impact-Skeptizismus – die negativen ökologischen Folgen der Klimakrise werden angezweifelt
  • Reaktionsbezogener Skeptizismus – die Energiewende und der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen werden hinterfragt
  • Responsebezogener Skeptizismus – das Hinterfragen von Verantwortlichkeiten und auch politischen Instrumenten

Das Interessante und der allgemeine Trend sei, dass der Skeptizismus seit 2014 zunächst gesunken sei und ein relativ stabiles Niveau inne hatte, sagt Katharina Gies. Dann sei es allerdings von 2022 auf 2023 zu einer Trendumkehr gekommen, bei der der Skeptizismus angestiegen ist. Das habe vor allem drei Bereiche betroffen, erklärt die Soziologin.

Klimawandel-Skeptizismus wird normalisiert

  1. Im Beobachtungszeitraum 2022 bis 2023 nimmt der Trendskeptizismus, also der steigende Zweifel an einer drohenden ökologischen Krise, bei circa einem Viertel der Befragten zu, erklärt die Studienautorin.
  2. Den stärksten Zuwachs gibt es beim prozessbezogenen Skeptizismus, also der Frage nach der Notwendigkeit und Wirksamkeit der Dekarbonisierung. Sie nimmt bei einem Drittel der Befragten zu.
  3. Die dritte Dimension ist der responsebezogene Skeptizismus, also die individuelle Bereitschaft, klimapolitische Instrumente wie die Umweltsteuer zu akzeptieren. Von 2022 auf 2023 nimmt die Anzahl der Befragten, die dagegen sind, um ein Viertel zu.
"Mit der AfD haben wir jetzt eine Partei im Bundestag, die offen klimawandelskeptische Positionen vertritt, wodurch diese auch im öffentlichen Diskurs zunehmend normalisiert werden können."
Katharina Gies, Europa-Universität Flensburg

Bei den Ergebnissen der Studie zeige sich, dass politische Einstellungen eine sehr zentrale Rolle beim Anstieg des Skeptizismus spielen. Konkret nennt Katharina Gies folgende Beispiele:

  • Vertrauensverlust in die Bundesregierung
  • Demokratieunzufriedenheit
  • Rechte politische Orientierung

Diese zentrale Rolle von politischen Einstellungen kann auch als starke Politisierung der Debatte rund um den Klimawandel interpretiert werden, sagt die Studienautorin. Anhand von anderen Erhebungen könne man gleichzeitig erkennen, dass die Unzufriedenheit mit der Demokratie das Gefühl von Bürgern und Bürgerinnen widerspiegeln kann, wenig Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse zu haben.

Und das kann dann wiederum zu einem steigenden Skeptizismus vor allem in der reaktionsbezogenen Dimension führen – das heißt, wenn es um konkrete Maßnahmen und Prozesse gegen den Klimawandel geht.