KodiakbärenAlaska wählt den fettesten Bären

In Alaska wird jedes Jahr der fetteste Kodiakbär gewählt. Klingt witzig, die Wahl hat aber auch einen ernsten Hintergrund: Kodiakbären verlieren beim Winterschlaf bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Für Bären, die sich zuvor nicht genug Gewicht angefressen haben, kann das lebensbedrohlich sein.

Der dickste Bär wird bei einem jährlichen Wettbewerb gekürt. Die Mitarbeiter des Katmai-Nationalparks veranstalten diese Wahl. Dafür stellen die Mitarbeiter jeweils zwei Fotos von rund einem Dutzend besonders dicker Bären ins Internet. Es gibt jeweils zwei Fotos: eins, das den Bären mit schlankerer Gestalt im Sommer zeigt und eins, das im Herbst aufgenommen wurde, auf dem er etwas wohlgenährter ist, kurz vor seinem Winterschlaf. Der Katmai-Nationalpark hat auf seiner Website auch eine Livecam verlinkt, über die man Bären beim Lachsfischen beobachten kann.

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Die Nutzer wählen ihren Favoriten, indem sie Likes vergeben. Zwei Bären kommen ins Finale, bei dem dann entschieden wird, wer auf dem ersten Platz landet. Die letzte Wahl fand im Oktober 2018 statt. Gewinnerin war eine Bärin namens "409 Beadnose". Dicht gefolgt von einem männlichen Rivalen, der auf den schlichten Namen "747" hört. 409 Beadnose wurde übrigens bereits zum zweiten Mal – nach 2015 – Siegerin des Wettbewerbs. 2016 und 2017 konnte sie nicht teilnehmen, weil sie 2016 zwei Bärenjunge bekommen hatte, die sie versorgen musste. Dadurch hatte die Bärin weniger Futter für sich selbst zur Verfügung und ist zu schlank geblieben, um zum Wettbewerb zugelassen zu werden.

"Für die Wahl stellen die Mitarbeiter des Katmai-Nationalparks jeweils zwei Fotos von rund einem Dutzend besonders adipöser Bären ins Internet."
Mario Ludwig, Biologe

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Der Wettbewerb hat einen ernsthaften Hintergrund. Bevor sich die Bären zu ihrer mehrmonatigen Winterruhe – Biologe Mario Ludwig nennt es "eine Art Winterschlaf light" – aufmachen, müssen sie innerhalb von zwei Monaten so viel Nahrung fressen, wie sie normalerweise über das ganze Jahr verteilt zu sich nehmen würden. Während der Winterruhe, die sie in einer Höhle oder einem anderen geschützten Ort verbringen, verlieren die Bären nämlich bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts.

Deshalb versuchen die Bären im Herbst bei der alljährlichen Lachswanderung an den Flüssen des Nationalparks so viele Lachse, wie möglich zu erbeuten. Ein Verhalten, das über Leben und Tod entscheiden kann. Fehlender Winterspeck kann nämlich ein Todesurteil für die Tiere sein. Und mit dem Wettbewerb "Fettester Bär Alaskas" sollen die Bevölkerung und auch Touristen für den jährlichen Überlebenskampf der Kodiakbären aufmerksam gemacht werden.

Konkurrenz um die besten Lachsfang-Plätze

Die Konkurrenz um die besten Fangplätze für Lachs an Stromschnellen und Wasserfällen – also Stellen, an denen die Lachse den Bären fast ins Maul springen – ist groß. Das führt auch schon mal zu einem Kampf unter Bären: Die älteren und damit größeren Bären beißen kleinere und damit schwächere Artgenossen weg, sagt der Biologe Mario Ludwig. Und gerade junge Bären werden da gelegentlich von einem älteren Männchen getötet. Deshalb meiden Bärenmütter mit Jungen Flussabschnitte, an denen andere Bären fischen und nehmen stattdessen Stellen in Kauf, die weniger erfolgversprechend sind.

"Um die besten Fangplätze wird mit harten Bandagen gekämpft: Gerade junge Bären werden da auch schon mal von einem älteren Männchen getötet."
Mario Ludwig, Biologe

Bären mit sozialer Ader

Es wurde aber auch schon beobachtet, dass Kodiakbären sich die besten Fanggründe einvernehmlich teilen und in friedlicher Koexistenz miteinander leben. Wissenschaftler haben die Vermutung, dass es sich hier möglicherweise um miteinander verwandte Tiere handelt, sagt Mario Ludwig.

"Manchmal scheinen Kodiakbären durchaus auch eine soziale Ader zu haben."
Mario Ludwig, Biologe

Wie fair der Wettbewerb ist

Nicht unbedingt fair, findet der Biologe die Bedingungen des Wettbewerbs, weil die Fotos, die Bären oft aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Da sieht ein Bär von der Seite schon mal dicker aus als ein frontal fotografierter, sagt Mario Ludwig. Die Fotos sind oft auch unterschiedlich alt. In erster Linie möchte der Wettbewerb aber auf den Überlebenskampf der Bären hinweisen und das gelingt ihm wohl auch, weil es Berichte in unterschiedlichen Medien darüber gibt, wie beispielsweise in der New York Times.

Information darüber, wie wir uns verhalten sollten, wenn wir einem Bären in der Wildnis begegnen, gibt es auf der Website des Katmai Nationalparks außerdem auch noch.

"Aber so ein Fotovergleich ist natürlich schwierig. Man kann die Bären ja schlecht, wie die Damen bei einem Miss-Germany-Wettbewerb schön in einer Reihe aufstellen."
Mario Ludwig, Biologe