KörperkultWie Fitness zum Ideal wurde

Laufen, radeln, Gewichte stemmen: Viele Menschen stecken regelmäßig Zeit und auch Geld in ihre Körper. Wie Fitness zu einem gesellschaftlichen Ideal wurde, erklärt der Historiker Jürgen Martschukat in seinem Vortrag.

Millionen Menschen machen regelmäßig Sport. Das fühlt sich gut an – und gesund ist es schließlich auch. Doch der Hype um fitte Körper kann auch Druck erzeugen.

Was der gesellschaftliche Druck für Selbstbestimmung und Selbstfürsorge bedeutet, untersucht der Historiker Jürgen Martschukat.

"Mich interessiert das Zusammenspiel von Selbstbestimmung und Selbstsorge auf der einen Seite – und Normierung und Druck auf der anderen Seite."
Jürgen Martschukat, Historiker

In seinem Vortrag nimmt uns Jürgen Martschukat mit in die Geschichte der Fitness. Zurück ins 18. Jahrhundert, als sich der Fitnessbegriff entwickelt hat. Sowie ins 19. Jahrhundert, als es den ersten großen Fitness-Hype gab.

Fitness als regulierendes Ideal

Im Zuge der Aufklärung entstand ein neues Menschenbild: Die Leute waren nicht mehr bloß Untertanen, die taten, was von ihnen verlangt wurde. Sie wurden zu Bürger*innen, die die Freiheit hatten, für sich selbst zu entscheiden.

"Die Anforderung, permanent in unsere Körper investieren zu müssen, macht natürlich das Risiko, ein Scheitern zu erfahren, echt groß."
Jürgen Martschukat, Historiker

Damit verbunden war jedoch auch die implizite Aufforderung an jedes Individuum, diese Freiheit dann auch bestmöglich zu nutzen, erklärt Jürgen Martschukat. In seinem Vortrag beschreibt der Historiker, wie genau Fitness zum Ausdruck dieser Aufforderung wurde.

Jürgen Martschukat ist Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Erfurt und Sprecher einer interdisziplinären Forschungsgruppe, die sich mit Freiwilligkeit beschäftigt. Seinen Vortrag "Das Zeitalter der Fitness. Eine Geschichte der Gegenwart" hielt Jürgen Martschukat am 10. März 2026 im Rahmen der Ringvorlesung Sport (PDF-Link) an der Uni Leipzig.