Historische SchuldNiederlande: Königsfamilie setzt sich mit kolonialer Vergangenheit auseinander

Die Niederlande waren eine bedeutende Kolonialmacht. Davon hat auch das niederländische Königshaus profitiert. Wie stark es involviert war und zum Beispiel mit Sklaven gehandelt hat, soll jetzt aufgeklärt werden – auf Wunsch vom König selbst.

Das niederländische Königshaus lässt seine Rolle während der Kolonialzeit untersuchen. Das hat König Willem-Alexander Anfang Dezember bekannt gemacht.

Vermutlich war das niederländische Königshaus in den Sklavenhandel verwickelt und hat selbst Menschen als Sklaven ausgebeutet. Zudem geht es auch um Geldflüsse aus Indonesien. Die Niederlande hatten bis in die 1940er Jahre die koloniale Herrschaft über das Land für sich beansprucht.

Wenige Königshäuser setzen sich mit Vergangenheit auseinander

Diese Kolonialgeschichte aufzuarbeiten, sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen, kommt unter den verbleibenden Königshäusern in Europa weiterhin selten vor. In der Regel seien die Königsfamilien vorsichtig, weil sie darauf achten, welches Image sie nach außen senden.

"Sie wissen, dass sie abgeschafft werden können und müssen deswegen besonders aufpassen, dass sie kontrollieren, wie über sie gesprochen wird", sagt Historiker Leonhard Horowski. Berichte, in denen es um Sklaverei geht oder die "hässlichen Seiten der eigenen Vorgeschichte", wie der Historiker sie nennt, könnten sich also erheblich auf die Zukunft der Königshäuser auswirken.

"Die Bereitschaft, darüber zu sprechen, ist ein Zeichen, dass sich die Königsfamilie nicht stur gegen die Anerkennung historischer Schuld wehrt."
Leonhard Horowski, Historiker

Sollte die Untersuchung bestätigen, dass das niederländische Königshaus damals von der Sklaverei profitiert hat, schätzt der Historiker die Konsequenzen für die Königsfamilie trotzdem als gering ein. Das bedeutet: Die Monarchie würde in den Niederlanden wahrscheinlich weiterhin bestehen. Die Königsfamilie müsse sich vor allem mit ihrer historischen Schuld auseinandersetzen.

Bisher hat das Königshaus zum Beispiel eine Kutsche ausrangiert, auf deren Türen Zeichnungen sind, die Sklaverei verherrlichen. In der Kolonialzeit sollte das ein Zeichen für Reichtum und Erfolg darstellen.

Auswirkungen auf nationales Selbstbild

Je nachdem, was durch die Untersuchung aufgedeckt wird, könnte sich das auch auf das Selbstbild der Niederländer*innen auswirken, so Leonhard Horowski. Denn: Neben der Königsfamilie hat das Land allgemein stark vom Sklavenhandel und der Kolonialherrschaft profitiert. Ähnlich verhält es sich mit den Königshäusern in Belgien und besonders in Großbritannien.

"Die Verwicklung des Hauses Oranien-Nassau in den Sklavenhandel war Bestandteil der größeren Verwicklung der gesamten Niederlande in den Sklavenhandel und eine brutale koloniale Herrschaft."
Leonhard Horowski, Historiker

Die Untersuchung über die niederländische Königsfamilie überblickt den Zeitraum vom späten 16. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Untersuchung führt die Universität Leiden zusammen mit einer unabhängigen Kommission durch, für die drei Jahre angesetzt sind.