KonvertierenIslam als Weltanschauung

Der Journalist und Schriftsteller Stefan Weidner erzählt die unglaubliche Geschichte des Leopold Weiss, der 1926 in Berlin vom Judentum zum Islam konvertierte.

Leopold Weiss wurde 1900 in Lemberg geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt, seine Großväter Rabbiner. Weiss konvertierte 1926 in Berlin zum Islam, nannte sich fortan Muhammad Asad, arbeitete für kurze Zeit als Korrespondent für die FAZ, überlebte den Holocaust und wurde später Pakistans Gesandter zu den Vereinten Nationen.

Gegenentwurf zu europäischen Ideologien

In seinen Büchern entwickelte Muhammad Asad seine Vorstellung davon, was der Islam sein könnte und sollte. Für ihn ist der Islam ein Gegenentwurf zu den europäischen Ideologien des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, eine Alternative zu Faschismus und Kommunismus. Asads Islam wird zu einem geschlossenen Weltbild, das sich bewusst gegen europäische Lebensentwürfe abgrenzt. Das klingt wie 2015 und spielt doch alles in den 1920er und 30er Jahren.

"Wer wissen will, was Salafismus ist, fundamentalistischer, ideologischer Islam, der lese dieses Buch und er wird verstehen, dass der Islam spätestens seit den 1930er Jahren in ein ideologisches Konkurrenzverhältnis mit weltlichen Weltanschauungen eingetreten ist."
Stefan Weidner, Journalist und Schriftsteller

Die Geschichte und die Schriften von Muhammad Asad sind heute so relevant wie selten zuvor. Asad ist Salafist, er beruft sich auf die Ursprünge des Islams. Er glaubt an die Schariah und ist überzeugt, dass Muslime sich nicht an einen westlichen Lebensstil anpassen dürfen. Zugleich aber plädiert er für einen strengen Schutz von Minderheiten und ist überzeugt, dass nur eine Demokratie nach US-amerikanischem Vorbild eine echte muslimische Staatsform sein kann.

"Ohne dass die Muslime hätten ahnen können, wie ihnen geschieht, werden sie von Asad für eine sehr europäische Auseinandersetzung und Heilssehnsucht eingespannt."
Stefan Weidner, Journalist und Schriftsteller

Stefan Weidner ist Schriftsteller und Islamexperte. Er ist Chefredaktuer der Kulturzeitschrift Fikrun wa Fann, die vom Goethe-Institut für den Dialog mit der islamischen Welt herausgegeben wird. Er hat seinen Vortrag am 28. Mai 2015 in Berlin gehalten. Der Vortrag war Teil der Mosse Lectures, die von der Mosse Foundation, der Fritz Thyssen Stiftung und der Humboldt Universität zu Berlin organisiert werden.