"Exotic Whip" und "Magic Infusion"Lachgas: Kurzer Rausch mit langen Folgen

Bunte Ballons, kurzer Kick, schwere Folgen. Lachgas boomt auf Partys und ist einfach zu bekommen – aber es kann auch das Nervensystem zerstören. Ab April soll ein neues Gesetz den Verkauf regulieren und Missbrauch stoppen.

Lachgas klingt ganz nett und harmlos, ist es aber überhaupt nicht. Chemisch betrachtet ist es Distickstoffmonoxid (N20). Es ist ein farbloses Gas, das süßlich riecht. Es wird in der Medizin und auch Industrie eingesetzt. Lachgas hat eine schmerzstillende Wirkung.

Das Gas kann ganz legal gekauft werden, entweder einfach im Supermarkt in Form von kleinen Kartuschen zum Aufschäumen von Sahne – daher auch so harmlose Namen wie "Exotic Whip" – oder sie werden in Onlineshops mit besonderen Geschmacksrichtungen gekauft. Lachgas wird dann mithilfe von Luftballons inhaliert – manchmal auch direkt aus Sahnespenderkapseln.

Schwere Auswirkungen auf Nervenzellen im Gehirn

Das Gas hemmt bestimmte Botenstoffe zwischen den Nervenzellen im Gehirn, insbesondere Nervensignale, die für Schmerz, aber auch für Emotionen zuständig sind, werden ausgebremst, sagt Dr. Barbara Schneider, Chefärztin der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen an der LVR-Klinik Köln.

Der Rausch wird als mild, angenehm, wohlig empfunden. Auch Wärme- und Glücksgefühle werden ausgelöst. Man fühlt sich kurzzeitig entspannt und entwickelt ein Gefühl von Gelassenheit. Nach wenigen Minuten ist das Gas abgebaut und der Rausch vorbei. Vor allem bei Jugendlichen ist Lachgas beliebt, die noch keine Drogenerfahrung haben. Für erfahrene Drogenkonsumenten sei das Gas uninteressant, schreibt die Gewerkschaft der Polizei.

 "Weil das eben nur so kurz wirksam ist, konsumieren viele Leute auch tatsächlich ganz häufig hintereinander."
Dr. Barbara Schneider, Chefärztin der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen an der LVR-Klinik Köln

Die große Beliebtheit von Lachgas hängt möglicherweise auch mit der Internetplattform Tiktok zusammen, dort posten Jugendliche Videos von ihren Lachgas-Challenges. Der Trend ist in vielen Teilen Europas zu beobachten, der zuerst von England sich in die Niederlande verbreitete. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen sieht Lachgas als Party- und Modedroge auf dem Vormarsch. Derzeit liegen die Niederlande beim Konsum von Lachgas an der Spitze, wo es die am häufigsten verwendete Droge unter Schüler*innen sein soll.

Nur langsame Erholung von den gesundheitlichen Folgen

Ab einem Anteil von 90 Prozent Lachgas in der Atemluft kommt es zu Bewusstlosigkeit, sagt das Bundesamt für Öffentliche Gesundheit. Durch diesen Sauerstoffmangel kann das Gehirn geschädigt werden.

Längerfristige Risiken können sein, dass Lachgas Vitamin B12 inaktiviert und es dadurch zu Missempfindungen, Taubheitsgefühlen, auch Muskelschwäche bis hin zu Gangstörungen und auch Inkontinenz führt. Barbara Schneider hat in den letzten Jahren zunehmend Patient*innen, die mit den Folgen von Lachgaskonsum zu kämpfen haben.

"Die Erholung kann oft Monate in Anspruch nehmen. Es gibt auch tatsächlich Menschen, die dauerhaft dann auf den Rollstuhl angewiesen sind."
Dr. Barbara Schneider, Chefärztin der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen an der LVR-Klinik Köln

Im April 2026 soll ein Gesetz den missbräuchlichen Konsum einschränken:

  • Verkaufsverbot an Minderjährige
  • Auflagen für maximal erlaubte Kartuschengrößen
  • Ausschluss von Versand- und Automatenverkauf

In den Niederlanden und England ist Lachgas bereits als illegale Droge eingestuft und nicht mehr frei verkäuflich.