LiebeJe länger die Beziehung, desto größer die Freiheit

Warum Monogamie, wenn die Auswahl riesig ist? Philosophin Svenja Flaßpöhler erklärt: Echte Freiheit finden wir in einer Beziehung. Erst das tiefe Einlassen befreit uns vom stressigen Optimierungszwang. Sie rät zum Kompromiss statt zum Dauer-Dating.

Warum sollten wir uns in der Liebe für eine einzelne Person entscheiden, obwohl draußen doch theoretisch zahllose Optionen darauf warten, von uns entdeckt zu werden? Wie wir gerade in der Bindung Freiheit finden können, erklärt die Philosophin Svenja Flaßpöhler.

Frei für ein Dafür oder ein Dagegen entscheiden

Denken wir an Freiheit in Bezug auf Beziehungen, geht es oft erst mal um Themen wie: sich ausleben, sich nicht festzulegen, zu knutschen, wen und wie man will, oder vielleicht auch eine offene Beziehung zu führen. Für die Philosophin und Autorin Svenja Flaßpöhler bedeutet Freiheit in Beziehungen aber vor allem die Entscheidung, sich ganz frei dafür oder dagegen zu entscheiden.

Theoretisch könnte man immer sagen: Ich gehe. Aber man tut es nicht, weil man es nicht will. Das empfindet sie als wahre Freiheit. Je länger Beziehungen dauern, desto eher tendieren wir aber dazu, Dinge nicht mehr zu hinterfragen und das "Gehen-Können" gar nicht mehr als Option zu sehen, sagt Svenja.

"Wenn man zehn, zwanzig Jahre zusammen ist, man hat vielleicht Kinder zusammen, man hat vielleicht eine Eigentumswohnung gekauft, dann würde ja jeder Zweifel einen ganzen Lebensentwurf zusammenbrechen lassen."
Svenja Flaßpöhler, Philosophin und Autorin

Deswegen sind wir dazu verführt, Dinge auszublenden, die vielleicht unbequem sind, oder Konflikte nicht mehr auszutragen. Und in einer Beziehung zu bleiben, in der wir eigentlich nicht mehr sein wollen. Wir belügen uns selbst.

Wie wir damit umgehen, uns bei all den theoretischen Optionen im Dating für die eine Person zu entscheiden, und wie wir in Konflikten kultivieren können, der anderen Person Freiheit zu geben, darüber spricht Svenja in der neuen Episode von Eine Stunde Liebe.