GesundheitWie Betroffene von einer Lipödem-OP profitieren

Fettansammlung an Beinen oder Armen, oft auch Schmerzen – dahinter kann die chronische Krankheit Lipödem stecken. Eine Operation als Behandlung wird seit neuestem von den Krankenkassen übernommen. Leider hilft das nicht allen Betroffenen.

Ein Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die meistens Frauen betrifft: Die Fettzellen des Unterhautfettgewebes an Beinen, seltener auch an Armen, vergrößern sich dabei krankhaft und vermehren sich. In der Folge kommt es zu Entzündungsprozessen und Flüssigkeitsverschiebungen, erklärt Julia Dehmann aus dem Deutschlandfunk-Nova-Wissensteam.

Verursacht wird Lipödem durch eine starke hormonelle Veränderung – etwa in der Pubertät oder einer Schwangerschaft. Auch Veranlagung kann eine Rolle spielen.

Fettabsaugung bei Lipödem als Kassenleistung

Eine mögliche Behandlung: das Absaugen von Fett, auch Liposuktion genannt. Bislang wurde eine solche Operation nur bei der letzten Stufe 3 eines Lipödems von den Krankenkassen übernommen, wobei diese Stadien eher optisch beurteilt werden. Die Schmerzen allerdings, die manche Betroffene haben, sind unabhängig vom optischen Schweregrad.

Aus diesem Grund wurde untersucht, ob eine OP auch Patient*innen mit einem weniger ausgeprägten Lipödem helfen kann – und das Ergebnis lautete: Ja! Seit Juli 2026 kann die Liposuktion bei Lipödem nun unter bestimmten Voraussetzungen auch unabhängig vom Schweregrad als Kassenleistung abgerechnet werden.

Liposuktion lohnt sich für Krankenhäuser nicht

Das Problem allerdings: Entsprechende OPs werden nicht so gut vergütet, sodass nur wenige Krankenhäuser sie überhaupt als Kassenleistung anbieten. In der Praxis ist vielen Lipödem-Betroffenen also trotz der neuen Erkenntnisse und der neuen Regelung nicht viel gewonnen, sagt Julia.

"Es gibt keine Marker im Blut oder ein bildgebendes Verfahren, wo man ganz klar sagen kann: Ja, das ist es auf jeden Fall."
Julia Dehmann, Deutschlandfunk Nova

Wie viele Menschen überhaupt betroffen sind, ist nicht sicher. Denn die Diagnose ist schwierig, so unsere Reporterin. Ein Lipödem kann man nicht im Labor oder mir Ultraschall etwa feststellen. Ärzt*innen können nur optisch beurteilen, tasten und nach Schmerzen abfragen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Abgrenzung zu anderen Krankheiten, wie etwa zu Adipositas, Lipohypertrophie oder Lymphödem, schwer ist. Selbst für Mediziner*innen kann das eine Herausforderung sein – für Laien noch viel mehr, auch wenn zahlreiche Social-Media-Videos anderes behaupten.

"Nicht jedes kräftigere oder delligere Bein ist Lipödem. Deshalb ist es Quatsch, die Haut zusammenzudrücken, um zu erkennen, ob man ein Lipödem hat."
Julia Dehmann, Deutschlandfunk Nova

Oft empfohlen dort etwa: Haut zusammendrücken. Allerdings: Was man dann sieht, ist einfach nur die Struktur des Bindegewebes, die sich abzeichnet. Die ist individuell unterschiedlich und bei Frauen generell nicht ganz so fest.

Ein besseres Indiz sind Schmerzen. Wenn ihr welche habt, wendet euch am besten an Gefäßspezialisten.

Was bei einem Lipödem helfen kann

Wenn dort festgestellt wird, dass ihr tatsächlich ein Lipödem habt, können verschiedene Dinge helfen:

  • Kompressionsstrümpfe: Die sind in der Handhabung allerdings schwierig, An- und Ausziehen kann abhängig von der körperlichen Konstitution schwierig sein.
  • Lymphdrainage: Die kann Linderung verschaffen, ist wissenschaftlich allerdings in ihrer Wirkung ein wenig umstritten.

Da es sich beim Lipödem um eine chronische Krankheit handelt, muss man beides auch dauerhaft anwenden. Auch Bewegung und ausgewogene Ernährung können helfen.

Wenn das alles aber nicht ausreicht, gibt es eben die Möglichkeit einer Operation, die nun unter bestimmten Voraussetzungen theoretisch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Der Tipp also: Verlasst euch nicht auf Selbsttests, sondern lasst euch in einer Fachpraxis checken und beraten.

Infos und Support findet ihr auch bei der Lipödem Gesellschaft, die uns das Artikelfoto zur Verfügung gestellt hat. Der Verein will Wissenschaft und Forschung zur Erkrankung sowie deren Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung von Folgeerkrankungen fördern und setzt sich außerdem für Lipödem-Betroffene und Lipödem-Behandelnde ein. Mit der Aufklärungskampagne LipöWAS? will er der Stigmatisierung der Erkrankung entgegenwirken.