Das perfekte Buch für den Moment...…wenn du am Grab eines geliebten Menschen stehst

Kurz nachdem sich Faris in Farasha verliebt, stirbt sie. "Geister" heißt der neue Kinofilm von Fatih Akin. Bea Davies hat die Geschichte als Graphic Novel umgesetzt. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, ausdrucksstark erzählt und gezeichnet.

Sie haben es gleichzeitig gesagt. Faris weiß, was das bedeutet. Man darf sich etwas wünschen, es aber nicht aussprechen. Sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung. Weiß doch jeder. Die junge Frau, die neben Faris am Tresen steht und auf ihr Wasser wartet, weiß es nicht. Sie hat ihr Abi trotzdem bestanden – mit dem Notendurchschnitt 1,1.

Nach dem Abi: bereit für den neuen Lebensabschnitt

Woher Faris das weiß? Naja, er hat sie gefragt. Schließlich feiern hier die Abi-Jahrgänge von drei Schulen gemeinsam die bestandenen Prüfungen. Mitten im Gewusel trifft er ausgerechnet auf sie: Farasha. Schmetterling – auf Arabisch.

Die Wahrscheinlichkeit für diese Begegnung könnte Faris ausrechnen; sein Notendurchschnitt ist ziemlich gut. Vielleicht wird er Physik studieren, mal sehen, ob das klappt.

Jedenfalls ist ihm nichts peinlich im Gespräch mit Farasha. Nicht einmal, wenn es um Abi-Noten geht. Er könnte ewig hier mit ihr stehen.

Als Farasha ihn wenige Augenblicke später bittet, sie und ihre Freundin Una nach Hause zu fahren, sagt er sofort zu.

"Faris weiß nicht, dass das die letzten gemeinsamen Sekunden sein werden. Dass von dieser Nacht an nichts mehr ist, wie es war – und die Zeit rückwärts läuft."
Lydia Herms über "Geister“ von Fatih Akin, Bea Davies und Ruth Toma

Farasha stirbt in dieser Nacht. Max, Una und Faris überleben.

Beim Lesen zerreißt es einem das Herz. Es passiert nach den ersten dreißig Seiten. Viel zu früh.

Und dann pssiert etwas Unglaubliches: Farasha kommt ihn im Schlaf besuchen. Sie können da weitermachen, wo die Realität sie voneinander getrennt hat. Sie lernen sich kennen, sie reden, lachen und schweigen. Faris zeichnet Farasha aus allen Winkeln. Er kann ihre Nähe spüren, ihre warme Haut berühren und die Nase in ihr weiches Haar stecken.

Aber die Sache mit den Besuchen in den Träumen, die hat einen fiesen Haken. Farasha sagt, dass das nur vierzig Tage lang möglich ist. Vierzig Tage? Das ist zu wenig. Wie soll Faris danach weiterleben? Er ist verzweifelt. Der Lebensmut verlässt ihn. Da fasst Farasha einen Plan…

"Geister" – Kinofilm und Graphic Novel

Die Geschichte von Faris und Farasha wird in "Geister" erzählt – und das zwei Mal: Als Film von Fatih Akin (Kinostart: 5. November 2026) und als Graphic Novel. Die Zeichnungen von Künstlerin Bea Davies sind reduziert schattiert und fast immer schwarz-weiß.

Fatih Akin erzählt, wie es zu der Idee kam: Zuerst seien da die Bilder gewesen, Panels mit Sprechblasen und Lautmalereien. Dann habe er Bea Davies mit dem Buch-Projekt beauftragt. Es gibt also zwei Filme: den mit Schauspieler*innen im Kino – und den, der im Kopf beim Lesen und beim Betrachten der Zeichnungen des Comics ensteht.

Das Buch

"Geister" von Fatih Akin, Bea Davies und Ruth Toma, Carlsen, Comic/Graphic Novel, 224 Seiten, 20 Euro, eBook: 12,99 Euro; Erscheinungstag: 27.10.2026