MedikamenteGute Freunde? Wie Pharmafirmen beim Arzt mitmischen

Mit uns im Wartezimmer sitzen nicht immer nur andere Patientinnen – es ist auch der ein oder andere Pharmavertreter dabei. Sie werben für ihre Produkte. Eine neue Studie zeigt, wie viel Einfluss die Pharmaindustrie hat, welche Medikamente wir bekommen.

"Dieses Medikament ist super, das hilft immer" – wenn wir diesen Satz hören, sollten wir hellhörig werden. Das sagt Manja Dannenberg. Sie ist Hausärztin und im Vorstand von Mezis, einem Verein von Ärzt*innen, der sich gegen Einflussnahme im Gesundheitswesen einsetzt.

Mit der Einflussnahme ist die Pharmaindustrie gemeint. Wie das geht, zeigt eine neue internationale Übersichtsstudie der Cochrane Library. Danach werden andere und auch mehr Medikamente verschrieben, wenn Pharmafirmen einen engen Kontakt zu Ärzt*innen haben.

"Wenn etwas als absolut super empfohlen wird und 'das hilft immer' oder 'das ist jetzt neu' oder so – da kann man ein bisschen misstrauisch werden und nachfragen."
Hausärztin Manja Dannenberg über die Einflussnahme von Pharmafirmen auf verschriebene Medikamente

Die Forschenden haben für ihre Analyse hauptsächlich auf Studien aus den USA zurückgegriffen und einen Teil aus der EU sowie dem Vereinigten Königreich. Laut Mezis sind Pharmavertreter*innen ein bekannter Gast in Arztpraxen und Krankenhäusern. Da werben sie dann für ihre Produkte, laden zum Essen ein oder engagieren Fachärzte für Vorträge auf Fortbildungsveranstaltungen.

Die Vorgehensweise läuft also subtil ab. Denn: Eine direkte Bestechung ist in Deutschland verboten. Ärzt*innen dürfen auch nur Geschenken im Wert von bis zu einem Euro annehmen. Für einen Vortrag auf einer Fortbildungsveranstaltung bekommen sie allerdings ein Honorar von den Pharmafirmen – und das hält Hausärztin Manja Dannenberg für problematisch. "Wenn ich sozusagen auf der Bezahlliste der Firma stehe, ein gutes Verhältnis pflege und das auch erhalten will, bin ich möglicherweise immer in diesem Konflikt, dass ich eher zugunsten der Firma vielleicht auch empfehle", sagt sie.

Wer zahlt den Preis?

Den Preis dieser Vorgehensweise zahlt dabei oft das Gesundheitssystem. Zum Beispiel, indem besonders teure Medikamente verschrieben werden oder welche, die neu auf dem Markt sind und noch nicht lange erprobt sind, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Schmude. Was in der Übersichtsstudie nicht nachgewiesen werden konnte, ist, dass es dadurch zu negativen gesundheitlichen Folgen für Patient*innen kommt.

Als Patient*in können wir unsere Behandler*innen auch fragen, warum uns ein bestimmtes Präparat verschrieben wird. Das kann besonders bei teuren Medikamenten aufschlussreich sein, etwa welche für Herzkrankheiten, Diabetes, Rheuma oder auch Immun- und Krebstherapien.

Ohne Fachwissen ist es eher schwer, sich selbst über Präparate zu informieren. Patienteninitiativen oder Selbsthilfegruppen wiederum, die Infos dazu im Internet anbieten, werden häufig auch von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt, so Hausärztin Manja Dannenberg. Für mehr Aufklärung verweist sie auf die unabhängige Fachzeitschrift "Gute Pillen - Schlechte Pillen". Was auch möglich ist: Eine Zweitmeinung von anderen Ärzt*innen einholen.