Mood SpilloverWenn sich Stimmungen übertragen
Kleine emotionale Explosionen können sich abspielen, wenn jemand in einer bestimmten Laune nach Hause kommt. Und diese Stimmung kann sich übertragen. Psychiater Bastian Willenborg kennt das Problem. Und Gegenmittel kennt er auch.
Vorher war eine Person gut gelaunt, nachher sind es zwei oder sogar mehr Gutgelaunte: Stimmungsübertragung kann also eine feine Sache sein. Doch leider gibt es dieses Mood Spillover auch bei schlechter Stimmung, und in dieser Ausrichtung erfährt es mehr Aufmerksamkeit. "Das negative Mood Spillover fällt häufiger auf, weil wir häufig einen negativen Fokus haben", sagt Psychologe und Psychiater Bastian Willenborg.
"Mood Spillover meint, dass Stimmung oder emotionale Aktivierung aus einem Lebensbereich in einen anderen Lebensbereich überschwappt."
Eine typische Alltagssituation für eine negative Stimmungsübertragung ist das schlecht gelaunte Nachhausekommen. Egal ob Job, Arbeitsweg, Einkauf, Schule: Ist etwas schlecht gelaufen, werden die Daheimgebliebenen angemault.
Eine unpassende Übertragung
"In erster Linie passiert das unbewusst. Es ist unsere Aufgabe, irgendwann mal hinzugucken, zu merken: Okay, irgendwie passt hier doch gerade was nicht", sagt Bastian Willenborg.
Wenn jemand immer wieder so eine Negativstimmung mit nach Hause bringt, kann das negativen Einfluss auf Partnerschaft, auf Kinder und auf das eigene psychische Wohlbefinden haben, erklärt der Psychiater.
"Wenn das dauerhaft auftritt, kann das ganz schön belastend für Partnerschaften sein."
Sich solche Situationen und Kommunikationsabläufe kategorisch zu verbieten, sich also vorzunehmen, das darf nicht vorkommen, findet Bastian Willenborg unrealistisch.
Selbsthilfe bei Mood Spillover
Er empfiehlt Betroffenen eher folgende Schritte und Möglichkeiten der Selbstbefragung:
- Benennen statt ausagieren
- Übergangszonen schaffen (Umwege, Sport, Spaziergang)
- Quellencheck: Gehört meine Reaktion wirklich hierher?
- Passt meine Reaktion?
- Neubewertung der Situation
All das helfe ziemlich gut – je nach Situation angepasst –, ein wenig den Druck aus dem Kessel zu nehmen, findet Bastian Willenborg.