MotonormativitätDas akzeptierte Risiko beim Autofahren

Autofahren gehört zu unserem Alltag – wir empfinden es als normal. Das kann dazu führen, dass wir die Risiken unterschätzen und unsere eigenen Fähigkeiten überschätzen, wenn wir selbst hinter dem Steuer sitzen.

In einen Autounfall verwickelt zu werden ist deutlich wahrscheinlicher als mit Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn zu verunglücken. Pro Personenkilometer gerechnet, ist es über 50 Mal wahrscheinlicher, im Auto zu sterben als in der Bahn.

Und doch gehen die meisten Menschen, zumindest in Ländern, in denen das Auto sehr verbreitet ist, das Risiko ein. Sie fahren selbst Auto oder fahren zumindest mit. Das Risiko ist oft nicht bekannt oder bewusst, in anderen Fällen womöglich schon, dann wird es akzeptiert. Motonormativität nennen Forschende dieses Phänomen.

"Wir überschätzen uns massiv. Es gibt Beschreibungen, was passiert in den letzten Sekunden vor einem Unfall, da haben wir alle keine Chance."
Horst Müller-Peters, Risikoforscher, Professor an der Technischen Hochschule Köln

Horst Müller-Peters, Risikoforscher und Professor an der Technischen Hochschule Köln, sagt: Evolutionär gesehen sind Menschen nicht so gut ausgestattet, was Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik angeht. Er erklärt das so:

Wir machen es uns einfach. Denn unsere Entscheidungen, wenn wir uns ans Steuer setzen, basieren häufig darauf, wie gut wir uns vorstellen können, das eine bestimmte Situation eintritt. Heißt: Dass wir selbst einen Unfall haben, können wir uns in der Regel einfach nicht gut vorstellen.

Wie wahrscheinlich es ist, dass uns dabei etwas zustoßen kann, berücksichtigen wir dabei in der Regel nicht.

Selbstüberschätzung macht uns risikobereiter

Zudem schätzen wir uns selbst meist als gute Autofahrer ein und gehen aufgrund dieser Annahme davon aus, dass in unserem persönlichen Fall das Risiko womöglich gar nicht so hoch ist. Aus seiner Erfahrung mit Studierenden weiß der Risikoforscher Horst Müller-Peters zum Beispiel, dass viele von ihnen glauben, besser Auto zu fahren als der Durchschnitt.

"Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung, da sind wir evolutionär, kann man sagen, nicht wirklich gut ausgestattet, um das halbwegs realistisch einzuschätzen und uns danach zu richten."
Horst Müller-Peters, Risikoforscher, Professor an der Technischen Hochschule Köln

Eine britische Studie bestätigte kürzlich die Annahme, dass wir beim Autofahren vergleichsweise risikobereiter sind als bei anderen Tätigkeiten.