Nebenbei gründenImmer mehr Menschen machen sich selbstständig

Nebenbei statt Hals über Kopf: Immer mehr Menschen machen sich parallel zum Hauptjob selbstständig. Was daran so reizvoll ist, welche Ideen sich eignen und worauf wir beim Gründen achten sollten.

"Ich mache mich selbstständig!" – Diesen Satz sagen immer mehr Menschen in Deutschland. Laut der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, haben sich 2025 mehr als 100.000 Gründer*innen selbstständig gemacht. Damit ist die Zahl der Gründungen gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Auffällig: Rund drei Viertel davon starten nicht als Vollzeitprojekt, sondern neben dem eigentlichen Hauptjob.

Gründen – mit so wenig Risiko wie möglich

Wer nebenberuflich gründet, hat die Möglichkeit, eine Idee zu testen, ohne direkt alles auf eine Karte zu setzen, sagt Marco Habschick von der Gründerplattform der KfW. Die Plattform hilft Gründer*innen, mit digitalen Tools in die Selbstständigkeit zu starten und sich mit anderen zu vernetzen. Dort gibt es zum Beispiel Lernvideos zum Schreiben eines Businessplans oder zur Eröffnung eines Onlineshops.

"Drei Viertel machen sich nebenberuflich selbstständig – das ist schon ziemlich viel. Das ist ein Trend, den wir schon länger beobachten."
Marco Habschick, Gründerplattform der KfW

Gerade in der derzeitigen schnelllebigen Arbeitswelt sei der Ansatz, nebenberuflich zu gründen, attraktiv: ausprobieren, anpassen, weiterentwickeln und erst später entscheiden, ob daraus mehr werden soll, erklärt Marco Habschick: "Man springt eben noch nicht komplett, bevor man sicher ist."

Was sich zum Nebenbei-Gründen eignet

Besonders gut funktionieren ihm zufolge Modelle, die flexibel und mit wenig Startkapital umsetzbar sind. Dazu zählen digitale Dienstleistungen wie Marketing oder Design, aber auch Onlineshops und wissensbasierte Angebote wie Coaching oder Beratung. Gut für Nebenbei-Gründungen sei, wenn folgende Kriterien erfüllt würden:

  • keine festen Öffnungszeiten
  • geringe Fixkosten
  • schrittweiser Ausbau der Selbstständigkeit

Doppelbelastung nicht unterschätzen

So niedrig die Einstiegshürde wirkt, ganz ohne Herausforderungen geht es dennoch nicht, so Marco Habschick: "Der Hauptjob läuft weiter, gleichzeitig entsteht ein echtes Unternehmen." Und das sei etwas anderes als ein Hobby, das sollte man nicht unterschätzen.

"Wer nebenbei gründet, hat oft eine doppelte Belastung. Das unterschätzen viele."
Marco Habschick, Gründerplattform der KfW

Neben Zeit und Energie spielen auch formale Fragen eine Rolle: Der Arbeitgeber muss informiert werden, und sozialversicherungsrechtlich sollte auch alles sauber geregelt sein. "Der einfachste Weg ist, den bisherigen Hauptjob zu behalten, weil dann auch die Sozialversicherung mitabgedeckt ist", sagt Marco Habschick. Wer sich hingegen hauptberuflich selbstständig macht, müsse alle Kosten selbst tragen, das sei deutlich teurer.

Warum immer mehr Menschen gründen

Die Gründe für den Boom sind vielfältig, sagt er. Digitale Möglichkeiten machten es einfacher denn je, mit wenig Kapital ein Business zu starten. Gleichzeitig sorgten wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Preise und ein angespannter Arbeitsmarkt dafür, dass viele Menschen sich zusätzliche Standbeine aufbauen wollen.

Aus Marco Habschicks Sicht passe dieses Modell zu unserer Zeit: "Die Flexibilität ist genau das, was wir heute brauchen." Nebenberuflich zu gründen, sei deshalb für viele ein sinnvoller erster Schritt. "Aus meiner Sicht spricht gar nichts dagegen, auf diese Weise die Selbstständigkeit auszuprobieren."