Der neue Schufa-ScoreTransparenter, aber mies für die Jüngeren

Mietvertrag, Handykauf, Kredit – da heißt es meist erst mal: Schufa-Auskunft, bitte! Damit weisen wir nach, dass wir kreditwürdig sind. Der Score wurde jetzt transparenter gemacht. Allerdings bringen die Neuerungen auch Nachteile für jüngere Menschen.

Schufa, das steht für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Früher ein Verein, heute eine Holding, ist die Schufa eine privatwirtschaftliche sogenannte Wirtschaftsauskunftei.

Wie die Schufa funktioniert

Bedeutet: Die Schufa sammelt Daten über unsere Bonität, also unsere Kreditwürdigkeit, und verkauft die an Auftraggeber, die wissen wollen, ob sie uns in Sachen Geld auch trauen können. Vermieter*innen eben, Banken oder Unternehmen, bei denen wir etwa etwas leasen wollen.

Bei der Schufa gibt es für diesen Zweck Infos zu rund 70 Millionen Bürger*innen, erklärt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven, eine Milliarde Datensätze liegen dort. Darin stecken zum einen viele öffentliche Daten wie etwa Name, Adresse, Alter oder Informationen aus dem zentralen Schuldnerverzeichnis, und zum anderen Daten von Banken, Kreditkartenfirmen, Mobilfunkanbietern oder Energieunternehmen.

Aus diesen Daten berechnet die Schufa unseren Bonitätsscore, also ein Wert, der die Wahrscheinlichkeit beziffern soll, mit der wir zum Beispiel wie vereinbart einen neuen Kredit abstottern oder eine Rechnung bezahlen würden.

Neuer Schufa-Score: transparenter aber nicht gerecht

Bisher bestand dieser Basis-Score aus rund 100 Kriterien. Der neue Score, der seit dieser Woche (17. März 2026) gilt, besteht aus zwölf Kriterien. In denen geht es beispielsweise darum, ob und wie lang wir ein Konto haben, ob und wie lang wir eine Kreditkarte besitzen oder ob wir gerade irgendwo mit Zahlungen hinterher hängen.

Diese verschiedenen Kriterien werden gewichtet und dann daraus ein Wert zwischen 100 und 999 Punkten errechnet. Daraus schließt beispielsweise die potentielle Vermieterin dann: Jo, sieht alles gut aus! Oder: Vorsicht, die Person könnte Probleme beim Mietezahlen machen.

"Wenn nicht alles in Ordnung ist mit dem Score, kannst du auch sehen, woran das liegt und wie du das vielleicht auch verbessern kannst."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Neben den veränderten Kriterien ist auch neu, dass es zu dem Score jetzt auch Erklärungen gibt, erklärt Nicolas, da gibt es jetzt mehr Transparenz. In einer Tabelle lässt sich genau einsehen, welche Daten gespeichert sind, wie sie sich auf die Punktezahl auswirken und wie sich der Score auch verbessern ließe.

Der neue Score hat allerdings nicht nur Vor- sondern auch Nachteile. Nicolas Lieven kritisiert unter anderem, dass man Punkte verlieren kann, wenn viele Schufa-Anfragen über einen eingeholt werden. Wenn du also, so sein Beispiel, einen neuen Handyvertrag suchst, dafür einen Preisvergleich machen willst, dir deshalb bei verschiedenen Unternehmen Angebote einholst und denen dafür erlauben musst, dich zu prüfen, kann allein das den Score schon verschlechtern.

"Bei dem neuen Score werden Jüngere benachteiligt."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Und wer vergleicht eher bei Anschaffungen? Menschen mit weniger Geld. Und wer hat meistens weniger Geld? Jüngere Menschen. Nicolas Lieven sieht hier eine Benachteiligung. Hinzu kommt, so der Wirtschaftsjournalist, dass es bei den Kriterien oft um Dauer geht.

Laut Statistik sind Menschen kreditwürdiger, je länger sie zum Beispiel an der gleichen Adresse wohnen, ein Konto haben oder eine Kreditkarte besitzen. Nur: "Das können Jüngere gar nicht so liefern", kritisiert der Wirtschaftsjournalist. Auch das kritisiert er als Benachteiligung.

"Es geht hier ausnahmslos um Statistik. Es geht überhaupt nicht um den Einzelfall."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Statistisch mag sich das bewährt haben für Unternehmen, Vermieter*innen und Co.. Das Problem, so Nicolas, ist aber eben, dass Menschen so in falsche Kategorien reinrutschen können und in der Folge eben keine Wohnung bekommen, höhere Zinsen zahlen müssen oder gar nicht erst einen Kredit erhalten Und oft ist unklar, warum.

Deshalb macht es auch total Sinn, sich den eigenen Score mal anzusehen, rät Nicolas – das geht unter anderem über die Website der Schufa oder die Schufa-App. Der Abruf des eigenen Scores ist kostenlos und klappt ziemlich einfach.

"Ich würde den eigenen Score auf jeden Fall abrufen."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Auch kommt es immer wieder vor, dass falsche Daten in den Datensätzen stecken, warnt er. Und die sollte und kann man dann korrigieren lassen – bestenfalls, bevor einem die Wunschwohnung wegen des Scores durch die Lappen geht. Denn dann ist es zu spät.