Zeit in der PandemieNeues lernen: Mehr Erfolg mit kleinen Zielen

Die Pandemie bringt auch ein paar positive Dinge mit sich - zum Beispiel mehr Zeit um Dinge zu lernen, die wir uns schon ewig vorgenommen haben. Trompete spielen, Italienisch sprechen, in den Spagat gehen oder Lebensmittel fermentieren, die Liste der Möglichkeiten ist unendlich. Damit das auch klappt, sollten wir ein paar Dinge beachten.

Während der Zeit Zuhause haben viele angefangen, neue Dinge zu lernen oder sich Hobbys zu suchen. Denn der Lockdown hat auch ein paar gute Seiten. Egal, ob wir unser altes Keyboard ausgepackt oder die Leidenschaft für Workouts entdeckt habt – oft fällt es uns schwer, dranzubleiben und unsere Ziele zu erreichen. Dann landet das Keyboard schnell wieder im Keller und der Hintern auf der Couch. Das muss aber nicht sein!

"Wir müssen die Ziele kleiner stecken, damit wir schneller Erfolgserlebnisse haben."
Muriel Böttger, Psychologin und Coach

Muriel Böttger ist Psychologin und Coachin und sie rät: Damit wir nicht gleich wieder aufgeben, sollten wir unsere Ziele kleiner stecken. Denn dann gibt es auch schneller Erfolgserlebnisse, die uns wieder motivieren.

Zum Beispiel: Wer Portugiesisch lernen möchte, wird nicht gleich Diplomatenstatus erreichen. Viel realistischer ist, sich vorzunehmen in zwei Wochen das Lieblingsgericht bestellen zu können oder sich Fremden vorzustellen.

Spielend lernen funktioniert am besten

Das Wichtigste am neuen Hobby sollte aber Spaß und Abwechslung sein, sagt Muriel Böttger. Dabei kann es helfen, auch den Übungsplan spielerisch und weniger verbissen zu gestalten. So hat die Psychologin es selbst auch bei ihrem Sportplan für das vergangene Jahr gemacht.

Anstatt sich jede Woche exakt vorzunehmen, welche Sportart sie an welchem Tag machen sollte, hat sie nur die Anzahl der Tage auf eine Liste eingetragen. Jedes Mal, wenn sie an einem Tag eine beliebige Sportart ausgeführt hat, konnte sie einen Tag streichen – und so ihr Ziel viel besser durchziehen, erzählt sie.

Das Warum besser gestalten

Wenn sich das alles mehr nach Arbeit und Zwang anfühlt, dann sollten wir uns fragen, warum wir das eigentlich lernen wollen, meint Muriel Böttger. Und dieses "Warum" sollte groß genug sein.

Möchte jemand beispielsweise zehn Kilo abnehmen, ist es wichtig, sich nicht ständig vor Augen zu führen, dass gerade noch zehn Kilo zu viel drauf sind. Besser wäre, die Motivation in einen positiven Aspekt umzuformulieren. Also etwa: Ich möchte mich fit und leicht fühlen. Der Fokus sollte nicht auf unseren Defiziten liegen, sondern darauf, welchen Nutzen wir aus unserem Ziel ziehen.

"Wenn wir Ziele formulieren, sollten wir das in einer positiven Weise tun, damit auch unser Gehirn Wege kreieren kann, um zu dem positiven Ziel zu gelangen."
Muriel Böttger, Psychologin und Coachin

Wichtig für Muriel Böttger: Es sollte nicht darum gehen, auch in der Freizeit weiter Dinge zu leisten. Wichtig sei vielmehr, sich selbst eine Freude zu bereiten mit dem positiven Effekt, der hinter dem neuen Hobby steckt.

Flexibel bleiben

Wenn es trotzdem nicht klappt und das Keyboard am Ende doch wieder im Keller steht, dann ist das vor allem eins: menschlich. Denn das kann natürlich passieren, erinnert Muriel Böttger. Das heißt dann vielleicht nur, dass Keyboard spielen nichts für einen ist. Dann sollten wir das auch akzeptieren und uns einfach etwas Neues suchen, das uns mehr Spaß bereitet.