QueerDie Diversity-Flaggen sind vielfältig

Regenbogenfarben dürften die meisten Menschen mit der queeren Community verbinden. Doch die bunte Fahne ist nicht das einzige Symbol. Es gibt viele verschiedene Flaggen – und sie sind so vielfältig wie die Community selbst.

Seit Ende der 70er Jahre gibt es die Version der Regenbogenflagge, wie wir sie heute mit der queeren Community verbinden. Entworfen hat die Flagge der bereits verstorbene, amerikanische Aktivist Gilbert Baker. Im Unterschied zur Flagge der Friedensbewegung, die etwa zehn Jahre zuvor entworfen wurde, gibt es auf der Flagge der queeren Community nur sechs Farben, die außerdem umgekehrt angeordnet sind: Die Rottöne oben und die Blautöne unten.

Jede Farbe hat eine Bedeutung

Ursprünglich sollte die Flagge zwar acht Farben enthalten, das wurde aber aus verschiedenen Gründen geändert, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katja Vossenberg. Ein Grund war etwa, dass das von Gilbert Baker vorgesehene Pink damals noch nicht industriell hergestellt werden konnte.

Die Regenbogenfahne wählte Baker, um die Vielfältigkeit der Community zu unterstreichen. Die verschiedenen Farben stehen jeweils für verschiedene Themen im Leben: Orange für Gesundheit, Rot für Leben, Gelb für Sonnenlicht, Grün für Natur, Blau für Harmonie und Violett für den Geist.

"Seit 2018 gibt es die 'Progress-Flag', die die klassische Regenbogenflagge erweitert."
Katja Vossenberg, Deutschlandfunk Nova

Daniel Quasar entwarf 2017 die Progress Flag, die die klassische Regenbogenfahne um weitere Attribute erweitert. Auf dieser ragt von der linken Seite ein Pfeil mit weiteren Farben rein: Blau, Weiß und Rosa stehen für die Trans-Community, also für all diejenigen Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Außerdem Braun für People of Color und Schwarz, das an Menschen erinnern soll, die an Aids verstorbenen sind.

Die Idee von Quasar: immer mehr Menschen innerhalb der queeren Community mit der Flagge sichtbar zu machen. In einer anderen Version enthält die Progress Flag noch eine gelbe Fläche mit einem lila Kreis. Damit werden auch intergeschlechtliche Personen integriert, also solche deren Körper nicht in die medizinische Norm von männlich und weiblich passen.

Die verschiedenen Flaggen der queeren Community im Überblick

Neben der Regenbogenflagge und ihren erweiterten Versionen gibt es aber auch noch viele andere Flaggen, die jeweils die einzelnen queeren Communitys repräsentieren. Denn auch wenn die Regenbogenflagge alle integrieren soll, bleibt die queere Community alles andere als homogen. Der ursprüngliche Gedanke bleibt laut unserer Reporterin der gleiche: Der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung. Dennoch unterscheiden sich die Interessen der verschiedenen Untergruppen und sie sind gesellschaftlich auch unterschiedlich stark akzeptiert – sie kämpfen so gesehen an verschiedenen Fronten.

"Eine trans Person kämpft in Deutschland beispielsweise noch um die geschlechtliche Selbstbestimmung im Pass – ein Problem, das eine schwule Person nicht hat."
Katja Vossenberg, Deutschlandfunk Nova

Zum Beispiel: Während trans Personen noch dafür kämpfen müssen, selbst bestimmen zu dürfen, welches Geschlecht in ihrem Pass stehen soll, hat eine schwule Person ganz andere Interessen. Die spezifischen Flaggen sollen die unterschiedlichen Bedürfnisse und Solidarisierung mit den einzelnen Kämpfen ausdrücken.

"Die ältere Generation queerer Menschen kennt oft die Progress Flag noch nicht – das stößt aber meist eher auf Neugierde als auf Ablehnung."
Elias, vom Verein queer-lexikon.net

Viele Flaggen, viele Neuerungen: Gerade ältere Menschen der queeren Community, die vielleicht kein Englisch können, bekommen nicht alle Entwicklungen mit. Doch nur selten führt das zur Ablehnung der Symbole, erklärt Elias vom Verein queer-lexikon.net. Und gerade die junge Generation freue sich an der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten.