OlympiaWie sehen die Winterspiele der Zukunft aus?
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina laufen. Bei mehreren Wettkampforten, ohne Olympisches Dorf und mit Kunstschnee ist es aber schwer, den Olympischen Spirit aufkommen zu lassen. Wie gehen die Winterspiele in der Zukunft?
Cortina d’Ampezzo, das steht für Athlet*innen und Sportfans vor allem für eins: alpinen Wintersport. Ob Weltcup-Rennen oder Weltmeisterschaften, Cortina kann das. Genauso wie Olympia. 1956 fanden hier die Winterspiele statt, so wie auch in diesem Jahr. Doch inzwischen fühlt sich Olympia anders an, sagen viele Sportler*innen. Michael Rösch, Ex-Biathlet, Olympiasieger und Kommentator der Spiele im Fernsehen, bestätigt das.
"Das Olympia-Feeling mit einem Olympischen Dorf kommt eben nicht auf. Das ist ein bisschen schade."
"Es sind die Spiele der weiten Entfernungen", sagt er. Die Spielstätten liegen zwischen Mailand und Cortina verteilt: Biathlon in Antholz, Ski Alpin in Cortina und Bormio, Eissport in Mailand. Dazwischen liegen zum Teil mehrere Hundert Kilometer. Für die Athlet*innen bedeutet es, dass sie nicht, wie eigentlich üblich, gemeinsam in einem Olympischen Dorf untergebracht sind, sondern in Pensionen und Hotels. Dadurch fehlen die Begegnungen, das gemeinsame Mitfiebern, erläutert Michael Rösch.
Wirklich die "nachhaltigsten Spiele aller Zeiten"?
Die Tatsache, dass die Spielstätten so weit auseinanderliegen, hat mehrere Gründe, sagt Matthias Friebe aus der Sportredaktion des Deutschlandfunks. Zum einen seien die Olympischen Spiele 2026 zu den "nachhaltigsten Spielen aller Zeiten" ausgerufen worden. Tatsächlich gibt es vergleichsweise wenige Neubauten gegeben, sagt der Sportjournalist. Auf der anderen Seite wurden bestehende Anlagen renoviert, bei manchen sei es nötig gewesen, bei anderen – wie bei der Bobbahn in Cortina – seien die Umbauarbeiten umstritten gewesen. Insgesamt, resümiert Matthias Friebe, ist das Konzept nicht "hundert Prozent" umgesetzt worden, auch weil die Entfernungen zwischen den Städten so groß ist.
"Ein sehr großer Teil des CO2-Fußabdrucks kommt durch die Reisebewegungen der Fans und der Mannschaften."
Ein weiterer, nicht unbedeutender Grund für die vielen unterschiedlichen Sportstätten hat schlicht und ergreifend mit der italienischen Regierung zu tun, die das Sportevent unbedingt haben wollte, sagt der Sportjournalist. Doch die Bevölkerung habe dem skeptisch gegenübergestanden. "Man wollte möglichst viele Leute ins Boot zu holen. Also bekamen mehrere Regionen in Italien ein bisschen Olympia."
Winterspiele in Zeiten des Klimawandels
Ein dritter Grund für mehrere Austragungsorte ist die Sorge um den womöglich ausbleibenden Schnee. "Vor knapp zwei Wochen lag hier in Cortina noch kein Krümel Schnee", sagt Michael Rösch. Ganz anders 1956, da lag die Durchschnittstemperatur im Februar um mehr als drei Grad tiefer als heute. Das IOC (Internationales Olympisches Komitee) wird wohl auch in Zukunft vermehrt auf unterschiedliche, zum Teil weiter voneinander entfernte Austragungsorte setzen, erklärt Matthias Friebe. Zudem werde überlegt, die Spiele künftig vorzuverlegen, beispielsweise in den Januar.
"Das IOC setzt auf ein neues Modell: Olympia-Zentren, die in einem Rotationssystem alle paar Jahre wieder genutzt werden."
Wie weit gehen für die Nachhaltigkeit?
Und wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, müssten die Spiele eigentlich kleiner werden. Doch in diese Richtung scheinen die Pläne nicht zu gehen. Und vielleicht sind sie auch gar nicht gewollt, zumindest klingt es bei Michael Rösch danach: "Ich finde es eigentlich ganz cool, wenn es so bleibt, wie es ist – mit vielen bunten Sportarten."
Auch Matthias Friebe erwartet eher das Gegenteil: mehr Athlet*innen und vor allem neue Sportarten, um ein jünger Publikum zu bedienen. "Es wird sicherlich immer mehr auf Action, Snowboard und Cross gehen" Traditionelle Disziplinen hingegen geraten unter Druck – wie die Nordische Kombination, die bei diesen Spielen nur für männliche Athleten angeboten wird.
Die Olympischen Winterspiele der Zukunft werden sich verändern, auch weil sie es müssen, sagt Matthias Friebe. Ein Megaevent bleiben sie aber in jedem Fall.