Parteitag"Stilles Gemetzel" in der AfD

Skandale, Machtkämpfe – und stark in den Umfragen: "Die AfD ist eine ziemliche Teflon-Partei", sagt Korrespondentin Nadine Lindner. Doch wer bestimmt jetzt den Kurs der Partei? Und wohin entwickelt sie sich?

Bundesweit betrachtet ist sie in Umfragen gerade stabil die stärkste Partei in Deutschland: Gerade hat die AfD ihren Bundesparteitag in Erfurt absolviert. Auch die aktuellen Umfrageergebnisse vor den Landtagswahlen im Herbst sind stark: Sachsen-Anhalt (41 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (35 Prozent), Berlin (18 Prozent). Stand für diese Zahlen ist der 06. Juli 2026.

"Alice Weidel und Tino Chrupalla, das ist im Endeffekt wie ein Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat. Die beiden vertrauen sich nicht mehr."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Das wichtigste Signal des Parteitags nach außen ist die Wiederwahl von Alice Weidel und Tino Chrupalla als Parteivorsitzende. Sie wurde mit 81 Prozent und er mit 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Machtkampf um die zweite Reihe

Die Stellvertreterposten sind alle neu besetzt worden, betont Nadine Linder. Unsere Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio war auf dem AfD-Parteitag am 04. und 05. Juli vor Ort. Sie beobachtet die Partei seit Jahren.

"Es hat sich keiner laut gestritten. Das war ein stilles Gemetzel, was in der zweiten und dritten Reihe stattgefunden hat."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

So ordnet Nadine Lindner die Stellvertreter für den AfD-Parteivorstand ein:

  • Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen – ihn "wollte Alice Weidel auf jeden Fall haben"
  • Katrin Ebner-Steiner aus dem Landesverband Bayern – sie "war früher mal Obfrau des mittlerweile aufgelösten Flügels, also quasi eine alte Höcke-Vertraute"
  • Stefan Möller, führt seit vielen Jahren zusammen mit Björn Höcke den Landesverband Thüringen – auch er ist "laut Verfassungsschutz rechtsextrem"

Im Grunde zeige sich in diesen Personalien eine Absprache zwischen Alice Weidel und Björn Höcke – unter Umgehung von Tino Chrupalla.

"Dadurch, dass Alice Weidel und Björn Höcke zumindest so eine Art Nichtangriffspakt haben, sind solche Personalien im Bundesvorstand mittlerweile möglich."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Alice Weidel habe zuletzt Fragen nach rechtsextremen Einflüssen in der AfD abgebügelt und wollte nur über die Aussicht auf Erfolge reden. Ähnlich sei es auf dem Parteitag gewesen: "Die AfD hat super viel über Regieren gesprochen und eigentlich kaum über Remigration", sagt Nadine Lindner. Sogar Björn Höcke sei auf diese Linie eingeschwenkt: "Er hatte fast Trump-Anleihen drin, so mit 'Deutschland soll wieder großartig werden'."

Unvereinbarkeitsliste bleibt Thema

Bezeichnend findet unsere Korrespondentin, dass ein Antrag Björn Höckes während des Parteitags nicht behandelt wurde. Ziel war es, die sogenannte Unvereinbarkeitsliste aufzuweichen. Sie ist der Versuch einer parteiinternen Extremismus-Kontrolle – die Regeln hat sich die Partei selbst gegeben, um Menschen, die bestimmten Gruppierungen angehören oder angehört haben, die Mitgliedschaft in der Partei zu verwehren.

"Da ist jetzt das Versprechen von Alice Weidel: Innerhalb eines Jahres wird der Bundesvorstand diese Liste überarbeiten."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Wie weit der Einfluss Björn Höckes in die Parteispitze nun reicht, werde sich am Umgang mit dem Verfassungsschutz zeigen, vermutet Nadine Lindner und sagt: "Björn Höcke hat immer für diesen sogenannten Thüringer Weg gestanden. Das heißt, die AfD soll sich nicht einschüchtern lassen."

Der Bundesvorstand der Partei habe hingegen bislang eine gewisse Vorsicht walten lassen, zum Beispiel in der Ausdeutung des neurechten Kampfbegriffs Remigration. Dazu gibt es ein Beschlusspapier, mit dem sich die Bundesspitze der Partei verfassungskonform positioniert. Nadine Lindner vermutet: "Da könnte es entweder Konflikte oder eine Neuausrichtung geben."