Plage in den USAOstafrikanische Riesenschnecken fressen sich durch Florida

Hört sich nach einer Szene aus einem Horrorfilm an, gibt es aber wirklich: Schnecken, die ganze Autoreifen fressen. Genauer gesagt geht es um die Ostafrikanische Riesenschnecke, die sich in Florida, USA, zu einer Plage entwickelt hat. Unser Biologe Mario Ludwig weiß mehr.

Sie ist so groß wie eine Ratte, vermehrt sich ähnlich schnell und kann dem Menschen gefährlich werden: die Ostafrikanische Riesenschnecke. Wie ihr Name schon sagt, kommt sie ursprünglich in Ostafrika vor, in Kenia und Tansania.

Auch der Begriff "Riesenschnecke" kann wörtlich genommen werden. Diese Schneckenart hat eine Gehäuselänge von bis zu 20 cm und wird bis zu 30 cm lang. Sie ist damit eine der größten Landschnecken der Welt.

Die Ostafrikanische Riesenschnecke gehört zur Familie der Landlungenschnecken. Das sind Verwandte unserer heimischen Weinbergschnecke, nur eben viel größer.

In Florida wurde die Riesenschnecke als Haustier eingeführt

Mittlerweile gibt es diese Riesenscheckenart nicht nur in Kenia oder Tansania, sondern auch in China, Taiwan, Teilen Südamerikas – und seit 2011 auch in den USA in Florida. In die meisten dieser Länder wurde die Ostafrikanische Riesenschnecke als blinder Passagier eingeschleppt. In Florida war das anders.

"Einigen Exemplaren gelang die Flucht, und diese Exemplare haben dann in der freien Natur stabile Populationen gebildet."
Mario Ludwig, Biologe

In Florida wurde die Schnecke bewusst eingeführt, sie sollte als exotisches Tier im Terrarium gehalten werden. Einige Exemplare sind allerdings in die Natur gelangt, und so konnte sich eine stabile Population bilden. Diese Population richtet in Florida jetzt große Schäden an und entwickelt sich zur Plage: Eine Schnecke kann bis zu 1.200 Eier pro Jahr legen und wird bis zu neun Jahre alt – ein sehr hohes Alter für eine Landschnecke. In der Global Invasive Species Database zählt sie zu den hundert schädlichsten invasiven Neobiota - der eingewandernden Arten - weltweit.

Vertilgt Lebensmittel und knabbert Zement

Die Ostafrikanische Riesenschecke wird auch als Plage bezeichnet, weil sie sehr viel frisst – Lebensmittel auf Feldern genauso wie Materialien an Häusern. Denn so eine Riesenschnecke hat einen riesigen Appetit: Sie frisst rund zwei Salatköpfe pro Tag. Und wenn sie sich nachts auf die Suche nach Nahrung begibt, vertilgt sie alles, was sie in Gärten und auf Feldern finden kann.

"Schädlich ist die Riesenschnecke, weil sie so einen gewaltigen Appetit hat. Eine Riesenschnecke vertilgt pro Tag etwa zwei Salatköpfe. Allerdings ist ihr Appetit nicht nur auf Salat beschränkt."
Mario Ludwig, Biologe

Zum Aufbau und zur Reparatur ihres Gehäuses benötigt die Riesenschnecke jede Menge Kalzium. Aus diesem Grund frisst sie öfters Sand oder kleine Steine, denn die enthalten oft Kalziumcarbonat. Daher kommt es, dass die Riesenschnecken in Städten an Häuserfassaden hochklettern und an dem kalkhaltigen Zement knabbern. Warum die Schnecken auch gerne Autoreifen anfressen, konnte noch nicht herausgefunden werden, sagt Mario Ludwig.

Zwischenwirt für Parasiten

Neben den Schäden, die diese Schnecke in der Umwelt anrichtet, kann sie auch unmittelbar für den Menschen gefährlich werden: Die Ostafrikanische Riesenschnecke ist ein sogenannter Zwischenwirt des Ratten-Lungenwurms, einem gefährlichen Parasiten, der eben in den Lungen von Ratten lebt. Die Ratten sind der Endwirt des Ratten-Lungenwurms – sie infizieren sich, indem sie die Riesenschnecken fressen oder mit deren Schleim in Kontakt kommen.

"Hat man sich mit den Ratten-Lungenwurmlarven infiziert, wandern die Larven über die Blutbahn in das Gehirn, wo es dann zu einer gefährlichen Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute kommt, die tödlich enden kann."
Mario Ludwig, Biologe

Wir Menschen können uns mit dem Ratten-Lungenwurm infizieren: Kommen wir mit infiziertem Schleim der Riesenschnecke in Kontakt, wandern die Larven des Ratten-Lungenwurms über die Blutbahn in unser Gehirn. Dort verursachen sie eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die tödlich enden kann.

Ausbreitung ist schwer zu stoppen

Es ist schwierig, der Riesenschnecke Herr zu werden. Die effektivste Methode scheint aktuell die Handaufsammlung, sagt Mario Ludwig. In Flordia werden so aktuell mehr als tausend Tiere pro Woche von den Behörden gefangen. Außerdem hat die Regierung ein Gesetz erlassen und das Halten und Aussetzen von Ostafrikanischen Riesenschnecken verboten – wer gegen dieses Gesetz verstößt, dem drohen Geld- und Haftstrafen.

Zusätzlich werden chemische Schneckenbekämpfungsmittel eingesetzt, sogenannte Molluskizide. Bei uns ist das zum Beispiel das "Schneckenkorn", ein hochgiftiges Metaldehyd, das gegen Schnecken eingesetzt wird. Der Nachteil dieser Mittel ist, dass sie sehr unspezifisch wirken und auch andere Schnecken abtöten, sagt Mario Ludwig. Er glaubt daher nicht, dass die Menschen in Florida die Ostafrikanische Riesenschnecke komplett zurückdrängen können.