PolydaktylieMehr Finger und Zehen waren schick

Mehr Finger oder Zehen als andere zu haben, gilt bei uns heute nicht mehr als schick. Kleinen Kindern wird die überzählige Gliedmaße meist operativ entfernt. Im alten Amerika dagegen waren diese Menschen Stars.

US-Anthropologen haben in Grabstätten einer indigenen Gemeinschaft im Chaco-Canyon im US-Bundesstaat New Mexico besonders viele Skelette mit einem sechsten Fingerglied an einer Hand oder einem sechsten Zehenglied an einem Fuß gefunden. In einem besonders prächtig geschmückten Grab liegt das Skelett eines Mannes mit sechs Zehen am rechten Fuß. Der Mann selbst ist mit über 3000 türkisfarbenen Perlenketten geschmückt. Daraus schließen die Forscher, dass die Menschen zu Lebzeiten in der dort ansässigen Pueblo-Kultur besonders angesehen waren, weil sie auch besonders aufwändig bestattet wurden.

Anatomische Besonderheit

Polydaktylie ist nicht selten: Im Schnitt ist einer von 500 Menschen davon betroffen. Meistens hat ein Mensch entweder einen Finger oder einen Zeh zu viel, selten gibt es beides. Polydaktylie tritt mehr bei Männern als bei Frauen auf und eher bei Schwarzen als bei Weißen. Im Chaco-Canyon haben die Forscher 96 Gräber gefunden und in dreien davon lagen Skelette von Extra-Zehen-Menschen. Damit ist die Quote sehr hoch. Da Polydaktylie vererbt wird, stammen die drei Skelette möglicherweise aus einer Familie.

Fußfetischisten

Im Chaco-Canyon scheinen echte Fußfetischisten gelebt zu haben. Viele bildliche Darstellungen zeigen Füße, oft mit fünf Zehen. Aber an wichtigen Orten gibt es vor allem Abbildungen von Füßen mit sechs Zehen. Sogar Sandalen wurden gefunden, die Platz für die Extra-Zehe boten. Bei mesoamerikansichen Völkern, zu denen die Pueblo-Kultur im Chaco-Canyon gehört, wurden Götter immer wieder mit sechs Zehen oder Fingern dargestellt. Auch in Ägypten oder Portugal wurden Statuen oder Fresken gefunden, die Götter mit sechs Zehen darstellen.