PsychologieVorfreude macht aktiver und glücklicher

Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es. Ansichtssache. Aber eines ist klar: Sich auf etwas freuen zu können, steigert die Lebensqualität. Und wer das nicht kann, der kann es lernen.

Menschen, die positive Gedanken haben, optimistisch sind und auch im Voraus schon genießen können, geht es im Schnitt besser. Das zeigen Studien, sagt Psychiater und Psychotherapeut Bastian Willenborg, und das beobachtet er auch bei den Menschen, die er selbst behandelt.

"Diese Menschen sind ein bisschen glücklicher, weil sie so eine schöne Erwartungshaltung haben."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Vorfreude ist mit Motivation verknüpft, erklärt er. Denn wenn wir davon ausgehen, dass Dinge eher günstig laufen, und dass das, was wir machen möchten, uns Freude macht, dann fangen wir auch eher damit an. Negative Vorannahmen hingegen wirken demotivierend und können uns davon abhalten, Dinge zu tun.

Vorfreude motiviert und aktiviert

Viele Menschen haben den Eindruck, dass sie als Kinder mehr Vorfreude gespürt haben – etwa auf den Geburtstag oder auf Weihnachten. Tatsächlich stimmt das, sagt Bastian Willenborg. Erwachsene haben mehr Routinen und mehr Verantwortung, erklärt er. Dann sind Geburtstage oder Weihnachten etwa belegt von der Sorge ums Geschenkebesorgen und die Partyplanung oder eine Reise wird eher mit Packstress assoziiert. "Kognitiv überlagert", nennt Bastian Willenborg das.

Good news: Zwar nimmt das Vorfreuen beim Erwachsenen erst mal ab, aber irgendwann wendet sich das Blatt wieder, zeigen Untersuchungen: Ältere Menschen, sagt Bastian, legen tendenziell wieder mehr Gewichtung auf etwas Positives in der Zukunft. Also: Ihr könnt euch auch aufs Älterwerden schon mal vorfreuen!

"Vorfreude kann man auch neu lernen."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Und noch eine gute Nachricht für die unter euch, die per se oder aus gesundheitlichen Gründen weniger Vorfreude spüren. Man kann sie auch lernen, sagt der Psychiater und Psychotherapeut!

Gerade Menschen mit depressiven Erkrankungen etwa erleben sogenannte antizipierte Freude, also in die Zukunft gerichtete Freude, weniger, erklärt er. Diese Menschen versucht Bastian durch die Therapie zu motivieren, trotzdem Dinge zu tun. Denn so können sie die Erfahrung machen: Das macht ja doch Freude! Und das kann sich positiv auf Motivation auswirken.

Positivspirale statt Teufelskreis

Wenn Antrieb und Energie krankheitsbedingt zu stark fehlen, kann auch eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein, um dennoch positive Erfahrungen sammeln zu können und so Vorfreude neu zu erlernen. Das kann sich dann wiederum positiv auf Antrieb und Energie auswirken.

Anders gesagt: Den negativen Teufelskreis zu durchbrechen und in eine Positivspirale umzukehren, ist möglich! Wenn das mal kein Grund zur Vorfreude ist...