Rätsel im AllWarum ein Planet einen erloschenen Stern umkreist
Forschende untersuchen einen rätselhaften Planeten, der seine Bahnen um einen toten Stern zieht. Herauszufinden, wie er dessen Explosion überlebt hat, könnte auch etwas über die Zukunft unseres Sonnensystems verraten. Jetzt gibt es eine Erklärung.
Irgendwann mal, in Milliarden von Jahren, wird unsere Sonne ihr Leben aushauchen und sich zu einem Riesenstern aufblähen. Unser Sonnensystem wird sich dann in eine lebensfeindlichen Gluthölle verwandeln. Forschende haben mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops nun ein fernes Planetensystem untersucht, das genau so eine Katastrophe schon hinter sich hat.
Planet überlebt Tod seines Sterns
Ihr besonderes Interesse galt dabei einem Planeten, der den Untergang seines Sterns ziemlich gut verkraftet hat. Er trägt den klangvollen Namen "WD 1856 b" und umkreist einen Stern in etwa 80 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Das sind 750 Billionen Kilometer, erklärt Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Michael Büker – also quasi noch nähere Nachbarschaft unserer Sonne in der Milchstraßen-Galaxie.
Das Besondere: Der Planet umkreist nicht irgendeinen Stern, sondern einen sogenannten Weißen Zwerg, also die Überreste eines Sterns am Ende seines Daseins. Und das auch noch ungewöhnlich nah: nämlich in nur drei Millionen Kilometern Entfernung. Das ist fünfzig Mal näher als die Distanz, in der unsere Erde um die Sonne kreist.
Rätselraten: Wieso existiert "WD 1856 b" noch?
Trotzdem ist "WD 1856 b" scheinbar beim Tod seines Stern intakt geblieben. Und die große Frage ist: Wie um alles im All hat er dieses turbulente Ereignis überlebt? Spannend ist das besonders, weil dieser Planet unserem Nachbarplanet Jupiter sehr ähnelt und der Weiße Zwerg, den er umkreist, vor seinem Lebensende ähnlich groß und hell war wie unsere eigene Sonne. Zu verstehen, was da passiert ist, könnte also auch ein Blick in die Zukunft sein.
"Es ist, als würde man eine Zeitmaschine benutzen, um in die ferne Zukunft unseres Sonnensystems zu schauen."
Wie "WD 1856 b" überlebt hat, war also unklar. Auf Basis ihrer neuen Untersuchungen sagen die Forschenden jetzt: Am wahrscheinlichsten ist, dass er auf seiner Umlaufbahn zur Zeit der Katastrophe weit weg von seinem Stern war. Erst später wurde er dann wohl von nahe gelegenen anderen Sternen in Richtung des Weißen Zwergs gekegelt. Ganz sicher ist das nicht, aber die Forschende haben dafür zumindest plausible Indizien gefunden.
Allerdings: Auch wenn Planeten wie Jupiter vielleicht eine Chance hätten, die Erde hätte wohl nicht so viel Glück. Die würde von einer immer heißer werdenden und sich aufblähenden Sonne entweder verschluckt oder komplett verkohlt, so Michael Büker. Ein Überlebens-Trick für die Erde beim Tod unserer Sonne lässt sich daraus also eher nicht ableiten. Aber wie gesagt: Das dauert ja auch noch rund fünf Milliarden Jahre – also kein Grund zur Sorge!
"Ich befürchte, eine Survival-Strategie für unser eigenes Sonnensystem kann man daraus nicht ableiten."
Was sich aber lernen lässt: dass die Vielfalt der Sterne und Planeten in unserer Milchstraße gigantisch ist. Und das bedeutet auch, sagt Michael Büker: "Wenn die Natur flexibel genug ist, und die Evolution schnell genug, dann könnte unter Umständen sogar in solchen exotischen Systemen auf irgendeinem dieser Planeten Leben entstehen. Und das wäre es ja allemal wert, entdeckt zu werden!"