Recycling in ChinaShanghai macht ernst mit Mülltrennung

Recyclingtonnen gab es in China auch schon vorher. Doch eine Informationskampagne und ein neues Mülltrennungssystem heben das Ganze auf ein neues Level. Inklusive Kontrollmechanismen, die es so vorher nicht gab.

Schwarze, braune, blaue und rote Tonne - in Shanghai wird der Müll ab sofort ordentlich getrennt. Es gibt eine Tonne für Hausmüll, eine für Biomüll, eine für recycelbare Stoffe und in die rote Tonne können alte Akkus und Gefahrenstoffe entsorgt werden. Gestartet ist die Aktion Mülltrennung vor einigen Monaten.

Im Rahmen einer riesigen Kampagne ist Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping unter anderem im Staatsfernsehen aufgetreten, um das System vorzustellen. Für die Journalistinnen und Journalisten vor Ort heißen solche großen TV-Auftritte: Jetzt wird es ernst, dieses Vorhaben wird wirklich auch umgesetzt, erklärt Korrespondent Steffen Wurzel.

"Immer, wenn medial sowas groß inszeniert wird, dann wird es ernst."
Steffen Wurzel, Korrespondent in China

Shanghai wird damit zur Vorzeigestadt in Sachen Mülltrennung. Damit auch alle mitmachen können und Bescheid wissen, gibt es jede Menge Werbung: Es wurden mehrmals Flyer, Aufkleber und auch Kühlschrankmagneten verteilt, auf denen mitgeteilt wurde, dass das Mülltrennungssystem jetzt wirklich kommt. Auch Werbeschilder im öffentlichen Raum machen auf das neue Recyclingsystem aufmerksam.

Information und soziale Kontrolle

Zusätzlich sind laut Medienberichten 30.000 Freiwillige in Shanghai unterwegs, die geduldig die Bürger instruieren und Tipps geben, welcher Müll in welche Tonne entsorgt werden muss. Wobei Korrespondent Steffen Wurzel anmerkt, dass er das Wort "Freiwillige" lieber in Anführungsstriche setzt. Denn wie freiwillig diese Menschen wirklich unterwegs seien, könne er nicht richtig beurteilen.

"Es ist schon abgefahren, dass da eine große soziale Kontrolle stattfindet."
Steffen Wurzel, Korrespondent in China

Anders als in Deutschland wird in China kontrolliert, ob die Tonnen auch richtig genutzt werden. In Mehrfamilienhäusern sitzt eine Art Hausmeister vor den Tonnen, der einem ganz genau auf die Finger schaut, ob der Müll auch richtig getrennt wird. Das gilt natürlich auch für Korrespondent Steffen Wurzel, wenn er seinen Müll zur Tonne bringt.

Müllsammler verlieren ihre Jobs

Das Ganze hat aber auch eine Kehrseite: Menschen, die bislang mit dem Einsammeln von Müll ihr Geld verdient haben, verlieren ihre Einnahmequelle. Bislang hat er zum Beispiel seine Kartonverpackungen von Online-Bestellungen immer zusammengefaltet und an die Straße gestellt, berichtet Steffen Wurzel. Denn drei bis vier Mal am Tag kam ein älterer Herr mit einem wackeligen Elektrowägelchen vorbei und hat die Kartons eingesammelt. Andere haben Glasflaschen oder Biomüll gesammelt.

Der gesammelte Müll wurde dann an Großhändler verkauft, die das Ganze recycelt haben. Aus dem Biomüll wurde dann zum Beispiel Schweinefutter. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben, einfach, weil es nicht mehr nötig ist.

Zusätzlich zur normalen Mülltrennung werden in einigen Teilen Shanghais auch noch ein paar Extras ausprobiert. Wie zum Beispiel personalisierte Mülltüten mit QR-Code. Der enthält die persönlichen Daten des Mülltütenbesitzers. Wird in der Tüte etwas gefunden, das da nicht reingehört, kann die betreffende Person so zurückverfolgt werden und möglicherweise Ärger bekommen. Denkbar wäre beispielsweise, dass Sozialpunkte abgezogen werden, sagt Steffen Wurzel. Bislang ist das aber nur eine Überlegung.