Mithu SanyalZwischen Rückzug und Ausgrenzung

Wenn schon menstruieren, dann doch bitte so, dass es keiner mitbekommt. Soll ja niemand durch den Anblick von Blut belästigt werden. Oder den Geruch. Ganz zu schweigen vom Geschmack! Spätestens hier bewegen wir uns auch in der so aufgeklärten westlichen Welt wieder Richtung Tabuzone.

Der letzte mediale Aufschrei zum Thema Menstruationsblut ist erst wenige Wochen her. Die chilenische Künstlerin Rupi Kaur hatte auf ihr Instagram-Profil ein Bild hochgeladen, das ziemlich schnell von den Betreibern der Plattform gelöscht wurde. Angeblich entsprach es nicht den allgemeinen Richtlinien. Darauf zu sehen war die Künstlerin, im Bett liegend mit einer Jogginghose auf der ein Blutfleck zu sehen war. Offensichtlich Menstruationsblut.

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Die Löschung des Fotos hatte die Künstlerin bewusst mit einkalkuliert. Sie wollte zeigen: nackte Frauen, Brüste - kein Problem. Aber Menstruationsblut? Nein, das geht zu weit. Ein Tabubruch. Und auch Buchautorin und Journalistin Mithu Sanyal bestätigt:

"Wir dürfen menstruieren, aber es soll niemand riechen, niemand sehen oder auch niemand schmecken, wenn wir unsere Periode haben."

Es gibt sie also noch, die Tabuzonen beim Thema Menstruation. Auch hier in der aufgeklärten westlichen Welt. Natürlich sind wir heute weiter als unsere Großeltern, die zum Teil noch gelernt hatten, dass sie während der Regelblutung keine Milch anfassen dürfen, weil die sonst sauer wird. Und inzwischen wissen wir auch: Menstruationsblut ist nicht giftig. Zumindest nicht giftiger als irgend ein anderes Blut.

"Bis ins 20. Jahrhundert galt auch Periode noch als schuldmindernd bei einem Verbrechen, da musste man kürzer ins Gefängnis."
Mythen rund um die Periode halten sich hartnäckig, sagt Mithu Sanyal

Ursprünglich gab es mal ein positives Menstruationstabu. Denn Menstruationsblut ist das einzige Blut, das wir sehen, ohne dass eine Verletzung sichtbar ist. Von daher galt Menstruationsblut als etwas Besonderes, etwas Heiliges. In dieser Zeit haben sich Frauen von der Gesellschaft zurückgezogen, weil man glaubte, sie hätten dann eine besondere Verbindung zur Jenseitswelt. Kamen sie in die Gesellschaft zurück, galten sie als rein und wiedergeboren.

Der Umkehrschluss, dass Frauen während ihrer Monatsblutung unrein oder schmutzig seien, ist allerdings unzulässig, erklärt Mithu Sanyal. Da haben sich einfach ein paar Dinge "unerfreulich verquickt". So hieß das deutsche Wort "rein" ursprünglich mal "ausscheiden" und hatte gar nichts mit Schmutz zu tun.