AltersvorsorgeRetten die Reformen die Rente?
Ruhestand klingt weit weg – aber Philipp macht sich mit Anfang 30 doch Gedanken. Er arbeitet, zahlt ein und fragt sich: Was bleibt später übrig? Jetzt soll die Rente reformiert werden. Können die Pläne das System noch retten?
Nun liegt er vor: der Bericht der Rentenkommission zur Reform der Altersvorsorge in Deutschland. Er enthält 33 Empfehlungen. Und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagt, er verstehe dieses Paket als Gesamtkonzept. Er sagte: "Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden. Wir können es uns nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen."
"Es werden unterschiedliche Gesetze sein müssen. Die Krux liegt oft in den Detailfragen."
Nur werden diese Empfehlungen nicht in ein Gesetz, sondern in mehrere geschrieben werden müssen, erklärt Volker Finthammer. Der Deutschlandfunk-Hauptstadtkorrespondent sagt: "Wenn es gelingt, das Gesamtkonzept, also all diese Punkte, irgendwie umzusetzen, wäre das für diese Koalition ein großer Wurf."
Mehr Einzahlende, mehr Geld im Rentensystem
Eine der wichtigsten Empfehlungen ist Nummer 21: Auch Abgeordnete, Selbstständige, Vorstände von Aktiengesellschaften und Beamte sollen künftig in die gesetzliche Altersvorsorge einbezogen werden.
"Das wäre tatsächlich ein grundsätzlicher Wandel für das deutsche Rentensystem", sagt Volker Finthammer. Er weist darauf hin, dass der Prozess, diese drei Gruppen mit hineinzunehmen, in Österreich bereits 2005 begonnen wurde.
Zweiprozentige Kapitalmarktrente
Und noch eine zweite große Veränderungsempfehlung, Nummer 28: "Der größte Punkt ist, dass eine Kapitalrente eingeführt werden soll. Die kostet zwei Prozent zusätzlich, zum normalen Beitrag, den man zur Rentenversicherung zu zahlen hat", sagt Volker Finthammer.
Alle Arbeitnehmende müssten dafür einen Prozent vom Einkommen einzahlen. Das andere Prozent käme vom Arbeitgeber.
Philipp, Anfang 30, arbeitet aus gesundheitlichen Gründen in Teilzeit. Sein vollständiger Name ist der Redaktion bekannt. Auf seinem jüngsten Rentenbescheid sind rund 1250 Euro angegeben. Netto blieben ihm etwa 1000 Euro monatlich. Nach Abzug der Miete blieben ihm höchstens rund 250 Euro, schätzt er.
Private Altersvorsorge kann er sich deshalb gerade nicht leisten, sagt er.
"Bringt ja nichts, wenn ich monatlich 250 Euro in ETFs stecke, aber nichts auf der hohen Kante habe, für den Fall, dass mal akut was ist."
Aktuell möchte er lieber ein kleines finanzielles Polster ansparen, bevor er sich um eine zusätzliche Altersvorsorge kümmert. "Ich habe einfach Sorge, dass mir das fehlt, dass ich nichts ansparen kann, wenn mal was ist", sagt er.
Keine Rücklagen, keine Zusatzvorsorge
Mögliche größere Ausgaben für sein Auto – damit kommt er zur Arbeit – oder Haushaltsgeräte gehen für ihn vor. Ein klassisches Notfallpolster.
"Früher hatte ich Angst und Ehrfurcht vor diesem Rentenbescheid. Jetzt ist es pure Resignation."
Philipp hat den Eindruck, dass gut betuchte Leute über die Reform des Rentensystems entscheiden. Er fragt sich, was eigentlich mit den Renten von Alleinerziehenden, Pflegenden und Menschen, die eben nur wenig einzahlen können, passiert. Er stellt fest: "Ich habe das Gefühl, dass Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen einfach übersehen werden."
"Wir einkommensschwachen Menschen, wir haben halt keine Lobby. Ich glaube, das ist mitunter ein Grund, dass wir nicht berücksichtigt werden."