Risiko im StraßenverkehrWo Fußgänger besonders gefährdet sind

406 Fußgänger starben im Jahr 2025 im Straßenverkehr, das waren 14 Prozent aller Verkehrstoten. Besonders gefährlich: das Überqueren von Straßen – selbst an Fußgängerüberwegen. Woran liegt das und wie wäre es zu vermeiden?

Wenn wir an gefährliche Verkehrssituationen denken, kommen uns meist etwa Kreuzungen oder komplizierte Abbiegesituationen in den Sinn. Für Fußgänger*innen ist die gefährlichste Situation laut einer neuen Studie der Björn Steiger Stiftung allerdings das einfache Überqueren der Straße jenseits von Kreuzungen.

"Die meisten Unfälle passieren außerhalb von Kreuzungen, wenn man versucht, die Straße zu überqueren, und das Auto von einer Seite kommt."
Siegfried Brockmann, Unfallforscher, Björn Steiger Stiftung

Das liegt daran, dass Autos an solchen Stellen viel schneller unterwegs sind als beim Abbiegen, da sie ja ungebremst geradeaus fahren, erklärt Siegfried Brockmann, der die Studie geleitet hat. Und das erhöht die Unfallschwere deutlich.

Besonders gefährdet: Alte Fußgänger und Kinder

Laut der Untersuchung unterscheidet sich das Risiko deutlich nach Alter – besonders häufig trifft es Kinder und ältere Menschen, berichtet der Unfallforscher. Bei Kindern sind unter Sechsjährige am meisten betroffen. Zwar sind die selten allein unterwegs, so Brockmann, trotzdem passieren in dieser Altersklasse viele Unfälle, weil die Kleinen auch mal impulsiv auf die Straße laufen.

"Die Spitze der Unfälle liegt bei den unter Sechsjährigen – die reißen sich von der Hand los und rennen dann einfach auf die Straße."
Siegfried Brockmann, Unfallforscher, Björn Steiger Stiftung

Auch mangelnde Aufmerksamkeit bei den Eltern oder Begleitpersonen vermutet er als Teil der Ursache: "Das sehe ich, wenn ich durch die Stadt gehe, immer häufiger: Man ist zwar mit den Kindern unterwegs, aber man guckt lieber aufs Handy." Ältere Menschen wiederum werden häufiger schlicht übersehen.

"Tempo 30 in Ortschaften schützt Fußgänger."

Um Fußgänger*innen zu schützen, plädieren die Studienmacher daher für eine Anpassung des Tempolimits. Viele der bei Verkehrsunfällen getöteten Fußgänger*innen könnten laut ihnen noch leben, wenn in Deutschland in Ortschaften eine nur 30 Kilometern pro Stunde gefahren werden dürften.

Unfallursache: Zebrastreifen

Erschreckend: Ausgerechnet Fußgängerüberwege sind der Studie zufolge ein Risiko. Ein Viertel der untersuchten Unfälle beim Überqueren ereignete sich laut der Untersuchung an Fußgängerüberwegen. Eigentlich sollte aber doch gerade ein Zebrastreifen sicher sein? "Ja", sagt Siegfried Brockmann und schränkt gleich ein: "wenn er richtig angelegt ist und wenn man sich dort richtig verhält".

"Fast 40 Prozent der Zebrastreifen haben Mängel – oft sieht man die Fußgänger zu spät."
Siegfried Brockmann, Unfallforscher, Björn Steiger Stiftung

Die Forschenden haben sich die Lage bei den Übergängen wegen der Zahlen nämlich noch mal genauer angesehen und festgestellt, dass sie in fast 40 Prozent der untersuchten Fälle einen Mangel haben. Insbesondere schlechte Sichtbedingungen sind demnach ein Problem – etwa durch parkende Autos, Absperrungen oder Büsche, die Fußgänger*innen verdecken.

Immer auf Nummer sicher gehen

Außerdem käme es an Übergängen auch zu Missverständnissen: Wenn Fußgänger*innen denken, ein Auto hält an, es tut es dann aber nicht, hat die Person zu Fuß salopp gesagt eben sehr schlechte Karten.

"Deswegen müssen wir alle noch mal lernen: Auch am Fußgängerüberweg und auch wenn ich dort recht habe, bitte warten, bis das Auto steht!"
Siegfried Brockmann, Unfallforscher, Björn Steiger Stiftung

Auch Kreisverkehre sind für Fußgänger problematisch – obwohl sie für den Autoverkehr als sicher gelten und eigentlich ein Liebling der Verkehrsforschung sind. Für die Autofahrenden haben sie den Vorteil, dass es dort kein Rotlicht gibt, so der Unfallforscher. Und auch für Radfahrende seien sie gut, da es dort nicht die klassischen Abbiegeunfälle gebe.

Risikozone Kreisverkehr

Das Problem für Fußgänger sei aber: Gerade bei größeren Kreisverkehren würde einfach schnell durchgefahren. Das Abbiegen aus dem Kreisverkehr passiere mit höherer Geschwindigkeit als beim Abbiegen an einer Straßenecke, "deutlich schneller als 10 oder 15 Kilometer pro Stunde". Dabei auch noch die Passanten im Blick zu haben, sei schwierig.

"Autofahrer müssten quasi mehr als 90 Grad den Kopf drehen, um dann auch noch den Fußgänger zu sehen."
Siegfried Brockmann, Unfallforscher, Björn Steiger Stiftung

Das führt dazu, dass Fußgänger im entscheidenden Moment übersehen werden.

Was du konkret tun kannst

  • Straße möglichst an gesicherten Stellen überqueren
  • Aufmerksam für herannahende Fahrzeuge sein
  • Auf die eigene Sichtbarkeit achten, wenn dich Objekte verdecken könnten
  • Helle Kleidung tragen, vor allem im Dunkeln
  • Augen auf die Straße, nicht aufs Handy - auch als Fußgänger*in
  • Am Zebrastreifen warten, bis Autos wirklich stehen - auf beiden Seiten.
  • Sichtkontakt zu Autofahrer*innen herstellen
  • In Kreisverkehren auf abbiegende Autos achten
  • Als Fahrende*r: Besonders aufmerksam bei Kindern und älteren Menschen sein
  • Als Begleitperson: Kinder im Blick und ggf. fest an der Hand haben

Unterm Strich: Gefahr entsteht oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet – und genau deshalb lohnt sich Vorsicht - egal ob im Auto, auf dem rad oder zu Fuß.

Mehr Details zu den aktuellen Unfallzahlen gibt es beim Statistisches Bundesamt.