Sachsen-AnhaltWas die Landtagswahl wirtschaftlich bedeutet

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt kurz vor der Wahl deutlich vorn. Gleichzeitig ist das Land wirtschaftlich schwach und sucht dringend Fachkräfte. Wirtschaftsvertreter warnen vor neuen Risiken. Was könnte ein AfD-Sieg für Jobs und Investitionen bedeuten?

Sachsen-Anhalt steht wirtschaftlich schon vor der Landtagswahl vor großen Herausforderungen. Das Bundesland hat rund zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, die Wirtschaft wächst seit Jahren schwach und die Einkommen liegen unter dem Bundesdurchschnitt.

"Wirtschaftlich läuft es, und ich sage es ganz vorsichtig, überhaupt nicht gut. Das Wachstum ist wirklich schwach, immer seit Jahren jetzt unter dem Schnitt, den wir sonst in Deutschland haben."
Nicholas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Eine wichtige Rolle spielen die Chemieindustrie rund um Leuna, die Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft und zahlreiche mittelständische Unternehmen. Viele davon kämpfen mit hohen Energie- und Rohstoffkosten oder hängen als Zulieferer von anderen schwächelnden Industriezweigen ab.

Ein Bereich hat sich dagegen vergleichsweise stark entwickelt: die erneuerbaren Energien. Rund 60 Prozent des Stroms in Sachsen-Anhalt kommen laut Lieven aus erneuerbaren Quellen.

"Was wirklich gut läuft in den vergangenen Jahren, das ist das Thema erneuerbare Energie. 60 Prozent des Stroms ungefähr kommt aus erneuerbaren Energien. Das ist wirklich gut, das ist auch spitze im Bund."
Nicholas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Gleichzeitig liegt die AfD kurz vor der Wahl in den Umfragen deutlich vorn. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will die Partei in die Regierung führen. Wirtschaftsvertreter und Ökonomen warnen davor, dass ein politischer Kurswechsel zusätzliche Unsicherheit schaffen könnte.

Sachsen-Anhalt braucht vor allem Menschen

Eines der größten wirtschaftlichen Probleme des Landes ist der demografische Wandel. Die Bevölkerungszahl ist über Jahrzehnte deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der im Land lebenden Menschen. Das bedeutet: Immer mehr Beschäftigte gehen in den kommenden Jahren in Rente.

Schon heute fehlen in verschiedenen Bereichen Fachkräfte – etwa in Pflege, Handwerk und Medizin. Gleichzeitig verlassen junge Menschen das Land. Sachsen-Anhalt müsste deshalb neue Arbeitskräfte gewinnen und Menschen davon überzeugen, dort zu leben und zu arbeiten.

"Was Sachsen-Anhalt machen muss: Menschen gewinnen. Das wird die größte Aufgabe sein. Sachsen-Anhalt muss einfach attraktiv werden."
Nicholas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Genau hier sehen Wirtschaftsvertreter ein Risiko bei einem möglichen AfD-Sieg. Sie befürchten, dass Fachkräfte aus dem Ausland Sachsen-Anhalt meiden könnten, wenn das Land als migrationsfeindlich wahrgenommen wird. Für Unternehmen könnte es dadurch noch schwieriger werden, offene Stellen zu besetzen.

Investoren brauchen Verlässlichkeit

Ein zweiter Punkt sind Investitionen. Unternehmen entscheiden häufig für viele Jahre, wenn sie neue Werke bauen, Standorte erweitern oder Produktionsanlagen errichten. Dafür brauchen sie Planungssicherheit.

Lieven zufolge schauen deshalb sowohl deutsche als auch internationale Unternehmen genau auf den Wahlausgang. Ein grundlegender politischer Kurswechsel könnte zunächst dazu führen, dass Investoren abwarten.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Unternehmen Sachsen-Anhalt verlassen oder keine neuen Investitionen mehr kommen. Die Sorge sei vielmehr, dass Entscheidungen verschoben oder andere Standorte bevorzugt werden könnten.

Das wäre für Sachsen-Anhalt besonders problematisch, weil das Land neue Unternehmen und gut bezahlte Arbeitsplätze braucht, um wirtschaftlich aufzuholen.

Auch erneuerbare Energien könnten zum Konflikt werden

Ein weiterer Wirtschaftsfaktor sind erneuerbare Energien. Sachsen-Anhalt produziert einen großen Teil seines Stroms aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Quellen. Damit sind Investitionen, Unternehmen und Arbeitsplätze verbunden.

Die AfD steht der bisherigen deutschen Klimapolitik und dem weiteren Ausbau der Windenergie kritisch gegenüber. Lieven zufolge rechnen deshalb einige Beobachter damit, dass neue Projekte schwieriger werden könnten.

Auch internationale Unternehmen beobachten die politische Entwicklung. Dabei geht es nicht allein um Sachsen-Anhalt: Investoren könnten die Wahl als Signal dafür verstehen, wie sich die politische Landschaft in Deutschland insgesamt entwickelt.

"Die große Frage ist: Unterscheiden Menschen, die nach Deutschland kommen wollen, am Ende des Tages, ob sich irgendwas in Sachsen-Anhalt abspielt, oder ob die das quasi über ganz Deutschland rüberstülpen?"
Nicholas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Wie groß die wirtschaftlichen Folgen eines AfD-Wahlsiegs tatsächlich wären, lässt sich deshalb nicht vorhersagen. Viele Entscheidungen über Energie, Migration oder Wirtschaftspolitik werden zudem nicht allein auf Landesebene getroffen.

Für Sachsen-Anhalt geht es bei der Wahl wirtschaftlich trotzdem um viel: Das Land braucht Investitionen und vor allem Fachkräfte. Genau in diesen beiden Bereichen könnte politische Unsicherheit zum zusätzlichen Problem werden.