Schlafen im AllRabea Rogge hat die Schwerelosigkeit erlebt

Rabea Rogge hat als erste Deutsche im All geschlafen – schwerelos, im Schlafsack und mit Blick auf 16 Sonnenaufgänge pro Tag. Warum Schlaf dort so wichtig ist, was ihn stören kann und warum Schnarchen im Weltall kaum ein Problem ist.

Schlafen im All klingt erstmal ziemlich fantastisch: einfach im Schlafsack schweben, kein schwerer Körper, keine Matratze, kein Umdrehen. Für Rabea Rogge war genau das einer der aufregendsten Teile ihrer Mission. Die Robotikforscherin ist 2025 mit der Fram2-Mission als erste deutsche Astronautin ins All gestartet. In ihrem aktuellen Buch "Ein (bisschen) Weltraum für Alle" schreibt sie auch über Expeditionen, Technik, Zukunftsvisionen – und ihren Blick zurück auf die Erde.

Schlaf ist im All kein Nebenthema

Für Rogge war klar: Wenn Schlaf nicht funktioniert, kann das die ganze Mission belasten. Wer übermüdet ist, reagiert langsamer, trifft schlechtere Entscheidungen und kann wissenschaftliche Aufgaben nicht so konzentriert erledigen.

"Wenn man nicht gut schläft, ist das eine von den Sachen, die wirklich die Mission ruinieren können."
Rabea Rogge, Astronautin

Sie hatte deshalb großen Respekt davor, ob Schlaf in der Schwerelosigkeit überhaupt klappt. Am Ende war es weniger problematisch als befürchtet. Die Crew habe sich vorbereitet, es habe Briefings gegeben – und im All sei sie nach den Flugtagen einfach sehr erschöpft gewesen.

"Ich war wirklich so kaputt am Ende jedes Flugtages, das heißt, das Einschlafen ging super gut."
Rabea Rogge, Astronautin

Geschlafen wurde in der Dragon-Kapsel, nicht in einzelnen Kabinen, und in Schlafsäcken, die befestigt wurden. Rogge und ihre Kollegin blieben als Pilotinnen in der Nähe der Monitore, falls etwas passiert.

"Wir haben uns an den Sitzen festgemacht mit dem Schlafsack, und dann schwebt man da so über dem Sitz."
Rabea Rogge, Astronautin

16 Sonnenaufgänge und ein Körper ohne Orientierung

Ein großer Unterschied zur Erde: Der normale Tag-Nacht-Rhythmus fehlt. Die Kapsel umrundet die Erde etwa alle 90 Minuten – dadurch gibt es rund 16 Sonnenauf- und Untergänge pro Tag. Zum Schlafen wurde deshalb abgedunkelt, mit Augenmaske und Ohrstöpsel nachgeholfen.

Rogge beschreibt, dass die Crew ihren Rhythmus schon vor dem Start angepasst hatte. In Florida sei sie in Quarantäne Schritt für Schritt auf die Flugzeit umgestellt worden.

"Wir haben eine Woche vor dem Launch schon unseren Schlafrhythmus angepasst."
Rabea Rogge, Astronautin

Störend war weniger der Lärm als das fehlende Gefühl, irgendwo aufzuliegen. Auf der Erde merkt der Körper: Hier ist unten. Im All fehlt diese Orientierung. Rogge half es, mit dem Kopf eine Fläche zu berühren.

"Der Körper ist es gewohnt, auf etwas zu liegen."
Rabea Rogge, Astronautin

Auch Übelkeit kann im All zum Problem werden. Rogge wurde direkt nach dem Erreichen des Orbits schlecht – etwas, das vielen Raumfahrenden passiert. Trotzdem gewöhnte sich ihr Körper schnell an die neue Umgebung.

Schnarchen? Im All kaum ein Thema

Ein überraschender Vorteil der Schwerelosigkeit: Schnarchen scheint deutlich seltener aufzutreten. Rogge selbst hat in ihrer Crew niemanden schnarchen gehört.

"Kann ich soweit bestätigen, einfach weil niemand geschnarcht hat bei uns."
Rabea Rogge, Astronautin

Der Grund: Ohne Schwerkraft verengen sich die Atemwege anders als auf der Erde nicht. Für Rogge fühlte sich das Atmen normal an. Nur die Flüssigkeitsverteilung im Körper verändert sich – Flüssigkeit wandert eher Richtung Kopf, manche wirken dadurch verschnupft.

Nach der Rückkehr zur Erde schlief Rogge erstaunlich normal weiter. Trotz Wiedereintritt, Forschungsterminen und Schlafrhythmuswechseln habe sie auch in der ersten Nacht zurück gut geschlafen.

"Ich hatte gut geschlafen in der ersten Nacht, als ich wieder zurück war."
Rabea Rogge, Astronautin

Ihr Fazit: Schlaf in Extremsituationen sollte stärker erforscht werden – nicht nur fürs All, sondern auch für das Leben auf der Erde.

Hinweis: Unser Titelbild zeigt die Schlafgelegenheiten bei der Artemis II Mission der NASA aus dem Jahr 2026.