SchulterschmerzenUnnötige Operation

Schulterschmerzen, die aus dem Schulterblatt kommen, werden oft mit der subakromialen Dekompression behandelt. Doch diese OP könnt ihr euch sparen.

Eine subakromiale Dekompression ist eine Schulterdacherweiterung. Denn die Schulterschmerzen entstehen durch eine Verengung zwischen Knochenfortsatz oben am Schulterblatt – dem Acromion – und dem Schultergelenk. Durch diese Enge wird Druck auf die Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel ausgeübt. Bei der Operation wird das Schulterdach abgefräst, so dass wieder mehr Raum entsteht.

Schein-OP hilft so gut wie echte OP

Wissenschaftler aus Oxford haben jetzt mit einer Studie belegt, dass diese Operation so gut wie eine Schein-OP ist – und nur eine minimale Besserung gegenüber gar keinem chirurgischen Eingriff bringt. Die Ärzte haben die Patienten in drei Gruppen unterteilt: Bei der ersten Gruppe wurde eine subakromiale Dekompression durchgeführt. Die zweite Gruppe erhielt eine Schein-OP. Die Patienten der dritten Gruppe wurden gar nicht operiert.

Bei der Schein-OP werden Eingriffe mit dem Skalpell durchgeführt, sagt Deutschlandfunk Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Allerdings wurde bei den Patienten nur eine Gelenkspiegelung gemacht. Dabei wird eine kleine Sonde ins Gelenk eingeführt und wieder herausgeholt.

Placebo-Effekt

Nach sechs und nach zwölf Monaten wurden die Patienten untersucht und befragt. Ergebnis: Den Operierten ging es etwas besser als den Nicht-Operierten. Der Unterschied ist aber so minimal, dass die Ärzte daraus schließen: Die subakromiale Dekompression zeigt wenig Wirkung und die positiven Effekten sind eher auf die Physiotherapie nach der OP und den Placebo-Effekt zurückzuführen.

"So ein Placebo-Effekt wird dann besonders groß sein, wenn ich richtig was sehe und ich in OP gefahren werde. Wenn dafür eine Narkose notwendig ist, dann muss es doch helfen."
Stefan Sauerland, Mediziner beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Die Erwartung des Patienten an die Behandlung spielt eine wichtige Rolle, erklärt Johannes: Der Patient erwartet, nach der OP weniger Schmerzen zu haben, und hat dann nach der OP auch weniger.

Diese Schein-OPs gibt es auch in anderen Bereichen: Beispielsweise wurden bestimmte Probanden tatsächlich am Knie operiert und andere wurden quasi operiert. 

"Die OP wurde ziemlich gut gefakt. Es gab OP-Geräusche, die per Lautsprecher eingespielt wurden. Die Patienten waren bei Bewusstsein und haben alles mitbekommen. Es gab sogar einen Monitor, an dem die Patienten scheinbar live ihrer OP live folgen konnten. War aber nur ein aufgezeichnetes Video."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Auch in diesem Fall kam am Ende heraus: Die OP und die Schein-OP helfen gleich gut. Die Patienten hatten hinterher genau gleich viele oder weniger Schmerzen. Eine Meta-Studie der Universität Oxford hat vor drei Jahren 53 verschiedene Operationsarten untersucht. Ergebnis: Nur bei der Hälfte der Operationen war der tatsächliche chirurgische Eingriff besser, bei der anderen Hälfte war die Schein-OP genauso erfolgreich wie die echte OP.

Industrie fördert keine Studien mit Schein-OP

In Deutschland sind Schein-Operationen nicht erlaubt. Bei klinischen Studien dagegen werden sie eingesetzt, allerdings gibt es nicht so viele davon. Das liegt zum einen daran, dass in Deutschland klinisch nicht so viel geforscht wird, sagt Stefan Sauerländer. Aber vor allem auch daran, dass die Industrie Geräte verkaufen will. Sie unterstützt die Forschung, aber nicht um festzustellen, dass bestimmte Operationen gar keine Wirkung haben. 

"Die Erkenntnisse über die Schein-Operationen zeigen, dass man sich bestimmte echte OPs einfach sparen kann, die vielleicht unnötig sind und vielleicht sogar für die Patienten mit Nebenwirkungen verbunden sind."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova-Reporter

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