Schutz vor HPVWarum eine Impfung gegen HPV auch später sinnvoll sein kann
Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs oder Krebs im Mund-Rachen-Raum – Humane Papillomviren, kurz HPV, sind gefährlich. Eine Impfung wird deshalb für Kinder empfohlen. Aber auch Erwachsene können noch von einer Immunisierung profitieren.
Viele infizieren sich irgendwann im Leben mit Humanen Papillomviren (HPV) – oft unbemerkt. Die Viren können Warzen verursachen, aber auch Krebs auslösen. Wer die HPV-Impfung als Kind verpasst hat, steht später oft vor der Frage: Bringt das überhaupt noch etwas? Genau darauf gibt es keine pauschale Antwort, sondern mehrere Faktoren spielen eine Rolle.
Impfung auch im Erwachsenenalter möglich
Grundsätzlich gilt: Die HPV-Impfung ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, sagt Michèle Menkor vom Verein Zervita. Der Verein unterstützt die Aufklärungsarbeit zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und einer HPV-Infektion.
"Generell gilt, dass es für die HPV-Impfung keine Altersbeschränkung gibt. Die kann bis in jedes Alter geimpft werden."
Die Impfung ist also nicht nur für Jugendliche gedacht, sondern grundsätzlich auch im Erwachsenenalter möglich. Michèle Menkor macht deutlich, dass eine Nachholung jederzeit in Betracht gezogen werden kann. Allerdings ist wichtig zu verstehen, wie die Impfung funktioniert:
"Es ist keine therapeutische Impfung, sondern eine präventive – sie wirkt am allerbesten, wenn man noch keinen Kontakt mit HPV hatte."
Die Impfung hilft also nicht gegen bestehende Infektionen, sondern schützt davor. Deshalb wird sie früh empfohlen, idealerweise vor den ersten sexuellen Erfahrungen – aber auch später kann sie noch sinnvoll sein.
Auch nach ersten Erfahrungen noch sinnvoll?
Selbst wenn man bereits sexuell aktiv ist, kann die Impfung noch einen Nutzen haben.
"Da es mehrere krebsauslösende HPV-Typen gibt und man sehr wahrscheinlich nicht mit allen in Kontakt gekommen ist, macht es durchaus noch Sinn, auch im Alter zu impfen."
Michèle Menkor macht klar: Der Schutz bezieht sich auf verschiedene Virus-Typen. Auch wenn man bereits Kontakt hatte, ist es unwahrscheinlich, dass alle relevanten Varianten abgedeckt sind. Deshalb kann eine Impfung weiterhin vor bestimmten Krebsarten schützen.
Wie sinnvoll sie im Einzelfall ist, hängt stark vom Lebensstil ab. Wer mehrere oder wechselnde Partner hat, könnte stärker profitieren als Menschen in langfristigen monogamen Beziehungen. Diese Abwägung sollte individuell getroffen werden.
Der gängige HPV-Abstrich könne keine Antikörper nachweisen und sei zudem nur für Frauen verfügbar. Eine Entscheidung für oder gegen die Impfung lässt sich daraus nicht ableiten.
Kosten, Wirkung und Besonderheiten
Ein entscheidender Faktor ist oft der Preis. Die Impfung kann mehrere hundert Euro kosten, wenn sie nicht von der Krankenkasse übernommen wird.
"Die Ständige Impfkommission empfiehlt ab 15 Jahren drei Impfdosen."
Eine Impfdosis kann bis zu 200 Euro kosten. Das bedeutet: Je nach Impfplan können schnell rund 600 Euro zusammenkommen. Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass auch weniger Dosen wirksam sein können – etwa in internationalen Programmen.
Die Kostenübernahme ist unterschiedlich geregelt. Einige Krankenkassen zahlen auch im Erwachsenenalter, andere nicht oder nur teilweise. Es lohnt sich also, individuell nachzufragen. Besonders relevant ist die Impfung für bestimmte Gruppen:
"Studien zeigen, dass eine HPV-Impfung bei Frauen vor Rezidiven schützt – also davor, dass Gebärmutterhalskrebs wiederkommt."
Menkor sagt, dass selbst nach einer Erkrankung die Impfung noch eine Schutzfunktion haben kann. Und auch Männer können von einer Impfung profitieren. Auch sie können sich mit HPV infizieren, Viren weitergeben und an HPV-bedingten Krebsarten erkranken, etwa im Mund-Rachen-Raum oder Analbereich.
Das solltest du wissen
- Die HPV-Impfung kann in jedem Alter nachgeholt werden
- Sie wirkt vorbeugend, nicht gegen bestehende Infektionen
- Auch später kann sie sinnvoll sein, je nach Lebenssituation
- Ein HPV-Test vor der Impfung ist nicht hilfreich
- Ab 15 Jahren werden meist drei Dosen empfohlen
- Die Kostenübernahme hängt von der Krankenkasse ab
- Besonders nach Vorerkrankungen kann die Impfung zusätzlichen Schutz bieten
Unterm Strich gilt: Die HPV-Impfung ist nicht nur für Kinder, Jugendliche oder Frauen relevant. Wer unsicher ist, sollte die eigene Situation mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen – und dann bewusst entscheiden.