Studie zur Smartphone-NutzungLieber selten und lang aufs Handy schauen als kurz und oft

Handy-Stress ist real, zeigt eine Studie. Aber weniger hohe Screen-Time ist das Problem, als der ständige Loop von Nur-mal-kurz-Checken, Weglegen und wieder Nur-mal-kurz-Checken. Was kann dagegen helfen?

Na? Wie oft habt ihr heute schon das Handy gecheckt? Und was macht es mit euch, auf Push-Nachrichten zu reagieren und ständig erreichbar zu sein? Nachrichten lesen, Feeds kontrollieren, News checken, ein paar Reels und Comments ansehen - das ständige Aufs-Handy-Schauen kann anstrengend sein.

Bislang gab es aus der Wissenschaft allerdings eher widersprüchliche Ergebnisse zur Frage, woher dieses Gefühl von Reizüberflutung und Überforderung bei der Handynutzung kommt.

Was ist problematischer: lange oder häufige Nutzung?

Ein Team der Aalto Universität in Finnland wollte genauer wissen, was genau uns da besonders stresst: Ist eher hohe Bildschirmzeit das Problem oder ist möglicherweise relevanter, wann, wo und wie lange wir auf das Smartphone schauen?

Um das herauszufinden, haben die Forschenden das Nutzungsverhalten von knapp 300 Deutschen über mehr als sieben Monate lang mit einer App getrackt. Außerdem wurden die Proband*innen gefragt, wie gestresst sie sich jeweils fühlen.

Mehr Info-Overload durch weniger Screen-Sessions

Das Ergebnis ihrer Untersuchung: Am meisten überfordert sind User*innen, die das Handy immer wieder nur kurz in die Hand nehmen und dann wieder weglegen. Eine extreme lange Bildschirmzeit, selbst im Rahmen von etwa zehn Stunden, ist zumindest laut dieser Studie weniger belastend

User*innen, die unsere Reporterin Cornelia Brain in München befragt hat, was sie stresst, kennen das offenbar auch;

"Dieses Immer-mal-wieder-drauf-gucken und dann immer realisieren: Oh, ich wollte das hier eigentlich gar nicht machen, ich wollte nur kurz drauf schauen.'"
Befragte bei einer Straßenumfrage in München, ist gestresst von ihrem Handy-Konsum

Ein anderer User erzählte, dass er sich Infos zu Sport oder mit Nachrichten immer auf Instagram suche und dann wissen wolle, was andere dazu meinen und so ins Kommentare-Lesen abtauche.

Maßnahmen gegen Check-Loop

Was also tun? Sebastian, den unsere Reporterin auch auf der Straße in München befragt hat, sagt: "Mein Handy ist permanent still, es vibriert nicht mal." Er schaut nur aktiv aufs Handy, erklärt er: "Ich möchte nicht diktiert haben, wenn irgendwo was aufblinkt, dass ich aufs Handy schauen soll."

Seine Freunde hätten sich darauf eingestellt, meint er, dass er dann erst später zurückruft. ... naja, alle akzeptieren das allerdings auch nicht, gibt er zu.

"Einige Leute rufen halt die andere Person an, wenn sie wissen, dass ich mit jemand anderem unterwegs bin."
Sebastian, will nicht immer erreichbar sein

Josephine wiederum erzählte unserer Reporterin, dass sie sich mit anderen, schönen Dingen vom Smartphone ablenkt, sich zum Beispiel einen Kaffee macht oder lieber ein paar Lieder auf dem Klavier spielt. Immer funktioniert das allerdings auch nicht, gibt sie zu.

"Manchmal funktioniert die Ablenkung mit Hobbys nicht so gut. Dann hocke ich im Bett und schau aufs Handy."
Josephine, versucht sich mit Hobbys vom Handy abzulenken

Eine weitere Möglichkeit: Bei einigen Plattform lässt sich Social-Media-Zeit selbst regulieren – allerdings kann man diese Hinweise natürlich auch easy ignorieren.

Alternativ könntet ihr auch Philipps Strategie probieren, einem anderen Befragten: Social-Media-Apps ganz vom Smartphone löschen, zumindest vorübergehend, und nur auf einem anderen Gerät nutzen, einem Tablet etwa, dass ihr nicht die ganze Zeit in der Hand oder in der Hosentasche habt.

"Wenn ich unterwegs war, habe ich gemerkt, was für ein Reflex das war, mein Handy zu entsperren. Ich hab genau dahin geklickt, wo die App war."
Philipp, hat Social-Media-Apps von seinem Handy gelöscht

Und wozu rät das finnische Forschungs-Team?

  • Push-Nachrichten möglichst ausschalten
  • am besten nur zwei Mal pro Tag Zeit fürs Handy nehmen

Dafür gibt's auch eine Funktion bei vielen Handys - etwa "Geplante Übersicht" oder den "Nicht stören"-Modus bei Android.