SelbstoptimierungWarum uns Self-Tracking so fasziniert

Sport, Essen, Wohlbefinden – alle möglichen Bereiche unseres Lebens können wir mit unseren Smartphones tracken. Warum machen wir das und was macht die Selbstvermessung mit uns? Ein Vortrag des Soziologen Stefan Selke.

Wir können mittlerweile fast unser ganzes Leben tracken – mit unseren Smartphones oder mit sogenannten Wearables, also Computersystemen, die man direkt am Körper trägt.

"Die einzige Ebene, wo wir das Gefühl haben, etwas kontrollieren zu können, ist unser Körper, unsere Lebensführung."
Stefan Selke, Soziologe

Der Soziologie Stefan Selke glaubt: "Wir haben kaum noch Vertrauen in Problemlösungskompetenzen auf institutioneller Ebene. Die einzige Ebene, wo wir das Gefühl haben, etwas kontrollieren können, ist die Maßstabsebene unseres Körpers, unserer Lebensführung."

Wir leben in einer metrischen Kultur

Und genau das würden diese Geräte ermöglichen: "Sie können Körperzustände, Performance, Lebensführungsattribute in Zahlen überführen und messbar machen."

"Ich nenne die Zeit, in der wir leben, eine metrische Kultur, weil wir eigentlich fast alles versuchen, in Zahlen, in Rankings umzusetzen."
Stefan Selke, Soziologe

Stefan Selke nennt unsere Zeit eine "metrische Kultur". Ihm zufolge versuchen wir, fast alles in Zahlen, Rankings und Skalen umzusetzen und Vergleiche anzustellen. Das führe jedoch dazu, dass wir mehr auf Unterschiede und Unzulänglichkeiten schauten als auf Gemeinsamkeiten, so der Soziologe.

"Etwas in Zahlen ausdrucken zu können, scheint genau zu sein. Etwas zu fühlen, scheint subjektiv zu sein."
Stefan Selke, Soziologe

Stefan Selke plädiert stattdessen dafür, dass wir bewusst ein Stück weit unperfekt sein und zu unseren Schwächen und Defiziten stehen sollten.

Stefan Selke ist Soziologe an der Hochschule Furtwangen. Seinen Vortrag "Metrische Kulturen. Wie sich digitale Selbstvermessung und künstliche Intelligenz auf unser Leben auswirken" hat er am 16. Dezember 2025 im Rahmen des Studium Generale zum Thema "Selbstoptimierung. Zwischen Fürsorge und Zwang" an der Uni Mainz gehalten.