SmartspeakerDie USA hören mit – und nicht nur sie
Alexa, Siri und Co. gehören für viele Leute zu den schönen Annehmlichkeiten des Alltags. Doch die US-Konzerne sammeln gleich haufenweise Daten mit ihren digitalen Assistenzsystemen. Tech-Autor Moritz Metz hat mit ihnen gesprochen.
Hochgerechnet steht in etwa einem Viertel der Haushalte in Deutschland ein Smartspeaker. Amazon, Google und Apple dominieren den Markt. Es ist ja auch praktisch: Podcasts hören, Wetter checken oder einen Timer stellen: alles nur mit mündlichen Kommandos. In der Regel laufen diese digitalen Assistenzsysteme auch auf Smartphones.
"Wenn das Wort erkannt wird, wird dein Audiosignal in die Serverfarmen von Amazon gestreamt. Dort sind Spracherkennungs-KIs am Werk, die das Aufwachwort prüfen, auswerten, bearbeiten und beantworten."
Sie funktionieren folgendermaßen: Die Geräte warten mittels ihrer Raummikrofone auf das Aktivierungswort. Dieses identifizieren sie mit lokaler Spracherkennung auf dem Gerät, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tech-Autor Moritz Metz.
Stummschaltung funktioniert
Doch die Speaker lassen sich in der Regel auch nur als Lautsprecher verwenden. Mit einem Knopf lassen sich die Mikrofone stumm schalten. "Tüftler haben einzelne Geräte überprüft. Die Mikrofon-Abschaltung scheint bei den geprüften Geräten sicher zu sein", sagt Moritz Metz. Unklarer sei die unfreiwillige, also versehentliche Aktivierung, wenn die Mikrofone angeschaltet sind, findet Moritz Metz.
Moritz Metz erinnert daran, 2019 tausende Aufnahmen von Google-Lautsprechern geleakt wurden. Die Auswertung durch Journalisten vom belgischen Rundfunk ergab, dass bei mehr als einem Siebtel der Aufnahmen das Aktivierungswort nicht ausgesprochen worden war. "So gelangen unfreiwillig aufgezeichnete Gespräche mit vielen privaten Informationen in die Cloud, zum Beispiel zwischen Eltern und ihren Kindern, von Menschen im Bett sowie auch Streits und berufliche Telefonate", sagt Moritz Metz.
Ebenfalls zur Prüfung der Aktivierungsmechanismen haben Forschende Smartspeakern tagelang Netflix vorgespielt. Bei der Serie "The West Wing" gab es im Schnitt stündlich fast eine unfreiwillige Aktivierung. Moritz Metz schlussfolgert: "Man hat keine genaue Kontrolle über das, was Lautsprecher alles mitschneiden, außer man schaltet sie ab." Neben dem Aktivieren der Geräte ist auch das Speichern der Aufnahmen interessant. Moritz Metz hat sich durch das Kleingedruckte bei Amazons Alexa gelesen. Das ist der meistgenutzte Smartspeaker. Amazon darf ohne jede Frist Sprach- und Texteingaben speichern und aufbewahren.
Accountoptionen zur Eingrenzung
"Die Frist muss man sich selber setzen oder halt löschen", erklärt Moritz Metz. Das funktioniere online. Auch der Versuch, Alexa einen Löschbefehl zu geben, könne fruchtbar sein und zu einer Löschung führen. Nur abschließend prüfen lässt sich das nicht.
In den Accounteinstellungen können Nutzerinnen und Nutzer verweigern, dass die Aufnahmen für die "Verbesserung der Dienste und zur Entwicklung neuer Funktionen" verwendet werden. Auch der Stimm-ID können sich Nutzerinnen und Nutzer verweigern. Sie dient der Identifizierung für Werbezwecke – vergleichbar mit Cookies nur auf der Basis echter, biometrischer Daten. Forscher von der Washington University haben nachgewiesen, dass die Sprach-IDs in Kombination mit Audioaufnahmen von Smartspeakern zu Werbezwecken verwendet werden.
"Wenn du dich mit Google oder Alexa immer über Dachzelte für Camping unterhältst, werden dir wahrscheinlich Werbeanzeigen zu Dachzelten angezeigt."
Eventuell hören bei Smartspeakern sogar echte Menschen mit. "Die Smartspeaker-Betreiber beschäftigten zumindest in der Vergangenheit sogenannte Klickworker, um Aufnahmen zu prüfen, zu vertexten, KIs damit zu trainieren", sagt Moritz Metz. Zwar hat Google mitgeteilt, dass die Aufnahmen anonymisiert und nur 0,2 Prozent der Gespräche von Menschen abgehört werden. "Trotzdem hört das, was man in der Küche sagt, vielleicht ein Mensch", sagt Moritz Metz.
Außerdem weist er auf den Cloud-Act hin. Er verpflichtet US-Unternehmen dazu, mit den US-Geheimdiensten zusammenzuarbeiten auch im Ausland.