Pixelfed, Mastodon, PeertubeDas Fediverse bietet Social-Media-Alternativen
Pixelfed statt Insta, Mastodon statt X, Friendica statt Facebook, Peertube statt Youtube – das Fediverse ist eine Art Gegenmodell zu undurchsichtigen Algorithmen, mangelndem Datenschutz und mitunter unseriöser Werbung der Social-Media-Konzerne.
Youtube, Insta, X, Tiktok oder LinkedIn – viele von uns nutzen täglich soziale Medien. Und wie selbstverständlich. Doch immer mehr Menschen finden das auch problematisch. Denn soziale Medien sind von Algorithmen gesteuert, die wir nicht kennen. Die Konzerne überwachen uns, zeigen uns Werbung und verdienen damit sehr viel Geld.
Dabei gibt es alternative Plattformen. Der Fediday in Berlin hat nun zum dritten Mal versucht, das Fediverse bekannter und attraktiver zu machen. Über 150 Fediverse-Fans sind dazu im Berliner Hackspace c-base zusammengekommen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Marcel Roth.
Open Source statt undurchsichtige Algorithmen
Das Fediverse basiert auf Open Source Software und ist ein Zusammenschluss voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke, die aber gemeinsame Schnittstellen haben. Auf diese Weise können Nutzerinnen und Nutzer mit einem einzigen Konto auf die Dienste aller beteiligten Netzwerke zugreifen – zum Beispiel auf Friendica (Facebook-ähnlich), Mastodon (X-ähnlich), Peertube (Youtube-ähnlich) und Pixelfed (Instagram-ähnlich).
Der große Unterschied: Die von uns eingegebenen Daten werden nicht ausgewertet.
"Fediverse klingt ein wenig nach Star Trek – ist aber das ganz normale Internet, in dem jeder Verein, jede Organisation ein soziales Netzwerk bauen kann."
Die Fediday-Community ist sehr engagiert, sagt Marcel Roth. Und nennt Stefan Wintermeyer aus Koblenz als Beispiel. Er berät Unternehmen, entwickelt Webanwendungen – und hat eine Alternative für das Business-Netzwerk LinkedIn gebaut. Vutuv hat er sie genannt.
Vutuv als LinkedIn-Alternative
"Wenn LinkedIn perfekt wäre und alle glücklich wären, hätte ich das nie gemacht", sagt Stefan Wintermeyer. Eine Businessplattform werde genutzt, um sichtbar zu sein und Kontakte zu knüpfen, um einen neuen Job zu suchen oder um Dienstleistungen anzubieten. Wintermeyer: "Das Problem bei LinkedIn ist halt, das kann man nur machen, wenn man schon einen Account hat. Bei vutuv kann jeder mein Profil abrufen, auch wenn er noch keinen Account hat."
Unser Reporter hat vutuv ausprobiert und fand cool, wie einfach er seine Daten (Lebenslauf, Jobs, Kenntnisse) von LinkedIn zu vutuv mitnehmen könnte. Bei seinen Kontakten hat das allerdings nicht geklappt. Und da zeigt sich auch schon das große Problem, das Alternativ-Plattformen wie vutuv gegenüber den Platzhirschen natürlich haben: Nicht annähernd wird die Zahl der Nutzenden der Social-Media-Big-Player erreicht.
Um die eigenen Follower nicht zu verlieren, schlägt er vor, beide Plattformen zu nutzen, also Konzern und Fediverse.
Die richtigen Leute erreichen
Die Gesellschaft für Informatik (GI) zum Beispiel nutzt LinkedIn und gleichzeitig Mastodon. Die GI vertritt die Interessen von über 17.000 Informatikern und war auch beim Fediday in Berlin. Bereits 2019 hat sie Facebook verlassen, vor zwei Jahren ist die GI dann von Twitter/X zu Mastodon gewechselt.
Bei Twitter/X hatte sie 10.000 Follower, bei Mastodon deutlich weniger. Dafür seien die aber weniger beliebig.
"Wir merken schon, dass die Leute, die uns jetzt folgen, auch wirklich genau die Menschen sind, die wir erreichen wollen."
Um Mastodon exklusiver und interessanter zu gestaltenn, postet die Gesellschaft für Informatik ihre Beiträge immer zuerst bei Mastodon und danach bei LinkedIn, verrät Alexandra Resch – und empfiehlt anderen Organisationen, es genauso zu machen.
Ob Plattformen aus dem Fediverse irgendwann tatsächlich den Big Playern ernsthafte Konkurrenz machen können, sei schwer einzuschätzen, sagt unser Reporter.
Fediverse kann kleine, lokale soziale Medien entstehen lassen
Er fragt sich aber, ob das überhaupt nötig ist – und folgt damit der Einschätzung von Thomas Kahle, einem Mathe-Professor, der in Magdeburg einen Fediday organisiert hat.
"Die könnten sich zum Beispiel für eine Stadt oder für eine Community organisieren und dann direkt mit Leuten aus ihrer Stadt in Kontakt treten. Das ist vielleicht ein Feature, was es gar nicht mehr so richtig gibt."
Mit den Technologien des Fediverse könnte etwa eine Schule, eine Klassenstufe oder ein Stadtteil ein soziales Netzwerk aufbauen und sich vernetzen – und das völlig unabhängig von Interessen großer Konzerne.