Soziales ExperimentVertrauen ist Ansichtssache

Ein kurzer Blick auf den Passanten schräg gegenüber und schon gibt unser Gehirn eine Einschätzung ab, ob wir der Person vertrauen können oder besser nicht. Mit Folgen für alle weiteren Begegnungen.

Wissenschaftler vom California Institute of Technology haben mit einem Spiel untersucht, unter welchen Umständen wir Menschen als vertrauensvoll einschätzen oder als nicht vertrauensvoll.

In dem Spiel mussten die Versuchsteilnehmer mehreren virtuellen Mitspielern, die nur durch ein Bild des Gesichts in Erscheinung getreten sind, Geld geben. Die virtuellen Mitspieler haben sich entweder besonders kooperativ oder besonders unkooperativ verhalten, die echten Probanden also betrogen oder hintergangen.

"Der Proband wurde entweder belohnt, weil mehr Kohle zurückkam, als er eingesetzt hatte oder er wurde bestraft, weil der andere ihn übers Ohr gehauen hat."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Die Versuchsteilnehmer haben nach mehreren Wiederholungen zu jedem Gesichtstyp eine Art "Betrüger-Faktor" gebildet. Dann wurde ein zweites Spiel mit neuen virtuellen Gesichtern gespielt. Für die neuen Bilder haben die Forscher die alten Gesichter genommen und unterschiedlich stark miteinander gemischt, sodass eine Person stärker vertreten war, als die anderen.

Vorurteile werden unbewusst aufgebaut

Und obwohl den Leuten nicht bewusst war, an wen sie diese Person erinnerte, haben sie das neue Gesicht genauso vertrauenswürdig oder nicht vertrauenswürdig eingeschätzt, wie die ursprüngliche Person im ersten Spiel. Unser Gehirn entwickelt also zu einem bestimmten optischen Reiz einen genau definierten sozialen Wert, eine Art Faustregel: Wer so aussieht wie ein Freund von mir, der hat bei mir bessere Chancen. Und wer so aussieht wie der Kerl, der beim letzten Mal gemein zu mir war, der kann einpacken. Und damit bauen wir ganz unbewusst Vorurteile auf.

Den Vorteil sieht der Neurobiologe Henning Beck darin, dass unser Gehirn auf diese Weise besonders energiesparend arbeiten kann und sich sehr schnell zurechtfindet. Dafür sind wir aber anfälliger für Vorurteile.