SozialticketsKonzerte trotz wenig Kohle

Hunderte Euro für ein Konzertticket?! Kann sich nicht jeder leisten. Einige überlegen inzwischen, ob sie sich überhaupt noch Karten kaufen oder nicht. Es gibt Musikerinnen und Musiker, die deshalb für ihre Shows Sozialtickets anbieten. Ist das die Lösung?

Tim wollte sich im Sommer ein Konzert der Rap-Gruppe Antilopen Gang anschauen. Doch momentan hat er finanzielle Probleme. Auf der Homepage der Band entdeckte er, dass sie auch Sozialtickets anbietet. Das sind vergünstigte Tickets für Menschen, die gerade nicht so viel Geld haben. Anfangs war er sich allerdings gar nicht sicher, ob er zur Zielgruppe gehört.

"Das war für mich eine längere Überlegung, ob ich das überhaupt darf, mir so ein Ticket zu holen. Ich habe eine längere Krankheitsphase gehabt und war im Prinzip eine ganze Weile ohne Einkommen."
Tim, hat ein Sozialticket für ein Konzert bekommen

Wer kriegt ein Sozialticket?

Tim hat dann eine Mail geschrieben, kurz seine Situation erklärt – und schließlich ein Sozialticket erhalten. Nachweisen musste er nichts. "Wenn ich mich richtig erinnere, waren das 65 Euro, die es normalerweise gekostet hätte, und ich habe es für 20 Euro bekommen", erzählt er.

"Ich habe eine ganz liebe Mail zurückbekommen, dass sie mir gerne ein Ticket zur Verfügung stellen, ein vergünstigtes. Und das konnte ich dann online buchen."
Tim, hat ein Sozialticket für ein Konzert bekommen

2024 sorgte die britische Band Sleaford Mods für Schlagzeilen, als sie Konzertkarten für Menschen mit geringem Einkommen anbot. Der Ticketpreis: 5 Pfund, also etwa 6 Euro.

Diese deutschen Musiker bieten Sozialtickets an

In Deutschland gelten Die Ärzte bei Sozialtickets als Vorreiter. Die Band erklärte 2023, dass die Kosten für Konzertveranstaltungen massiv gestiegen seien. Aber nicht nur privilegierte Fans sollten dabei sein. Mittlerweile gibt es Sozialtickets auch bei den Toten Hosen, Tocotronic, Paula Hartmann und dem Rapper Fatoni. "Mir war wichtig, dass es das Angebot gibt. Für Leute, die jetzt nicht den vollen Preis zahlen können, dass sie auch kommen können", sagt der Rapper.

"Alles ist teurer geworden: Lebensmittel, Sprit. Konzertkarten sind eben auch teurer geworden. Also: Wo kann man noch hingehen?"
Rapper Fatoni, bietet Sozialtickets bei seinen Konzerten an

Fatoni haben viele Menschen geschrieben, dass sie Geldprobleme haben, aber gerne ein Konzert besuchen würden. Ein Sozialticket für seine aktuelle Tour kostet 20 Euro. Anders als bei einigen großen Bands sind dafür bei Fatoni keine Nachweise über Sozialhilfe oder Bürgergeld nötig.

Darauf vertrauen, dass Konzertbesucher ehrlich sind

"Da baue ich natürlich auf die Ehrlichkeit der Käufer und Käuferinnen. Dass man das jetzt nicht ausnutzt, wenn man sich eigentlich locker ein normales Ticket leisten könnte", so Fatoni. "Ich glaube, dass ich so bei meiner Hörerschaft eigentlich ganz gut darauf bauen kann, weil viele auf dem Schirm haben, dass es jetzt für niemanden leicht ist und ich sicher nicht superreich werde durch so eine Tour."

"Da geht jetzt niemand bankrott daran. Man kann auf jeden Fall sagen, wenn ich jetzt so ein Ticket verkaufe, dann gehe ich eher so bei null raus."
Rapper Fatoni, bietet Sozialtickets bei seinen Konzerten an

Die Anzahl der Sozialtickets ist begrenzt. Denn damit macht Fatoni keinen Gewinn. Verlust allerdings auch nicht.

Es gibt auch Sozialtickets für andere Kulturangebote

Solche Angebote gibt es nicht nur für Konzerte. Der gemeinnützige Verein "KulturLeben Berlin" vermittelt Menschen mit wenig Geld Eintrittskarten für Sportveranstaltungen, Museen, Lesungen und Theater. "Die Tickets sind für unsere Einzelgäste umsonst. Sie werden uns von den Kulturpartnern zur Verfügung gestellt – mit unterschiedlichster Ausrichtung", sagt Angela Meyenburg, die den Verein 2010 gegründet hat.

Um das Angebot zu nutzen, muss man sich anmelden und einen Einkommensnachweis einreichen. Anschließend kann man sich passende Veranstaltungen aussuchen.

"Bei den Gästen steigt gerade die Nachfrage sehr, also, wir haben einen hohen Zulauf."
Angela Meyenburg, Gründerin des Vereins "KulturLeben Berlin"

Mittlerweile gibt es das Angebot in mehreren Städten. Solche Vermittlungsangebote und Sozialtickets machen einen großen Unterschied. Doch am Ende ist das Thema auch eine politische Frage.

Teilhabe hat mit Respekt zu tun

Angela Meyenburg ärgert es, dass Teilhabe an Kultur zunehmend vom Einkommen abhängt. Denn Teilhabe hat viel mit Respekt zu tun. "Das ist natürlich etwas, was nicht okay ist. Denn Kunst und Kultur sind unglaublich wichtig für uns Menschen. Wahnsinnig wichtig für unsere Entwicklung, für unsere Ausdruckskraft und auch für unsere Weiterentwicklung", so Angela Meyenburg.