Starren, Filmen, FolgenSexuelle Übergriffe in der Sauna
Endlich ein Abend in der Sauna: Me-Time, Wärme tanken beim Aufguss, entspannen. Doch plötzlich ist da dieses Gefühl: Da starrt mich doch jemand an! So ging es Marleen Maxeiner in einer Therme in Köln.
"Es war kein 'ich schaue mal kurz und dann schaue ich wieder weg'. Es war ein aktives Starren nach dem Motto: 'Ich schaue so lange, wie ich möchte'."
Der Mann belässt es nicht beim Starren, sondern folgt ihr durch die Saunaanlage und kommt ihr im Pool unangenehm nahe, erinnert sich Marleen. Sie meldet den Vorfall beim Personal. Das reagiert sofort und wirft den Mann raus. Weitere Konsequenzen hat der Vorfall allerdings nicht.
"Ich habe ihn nicht bei der Polizei angezeigt, sondern nur eben beim Saunapersonal, weil ich mich informiert habe und wusste, das ist theoretisch nicht strafbar."
Als Marleen auf Social Media von ihrem Erlebnis schreibt, berichten ihre viele Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Am meisten, erzählt Marleen, hat sie bei der Situation die Grauzone der Übergriffigkeit verunsichert: "Ich war in diesem Konflikt mit mir selbst: Ist es jetzt zu früh, um etwas zu sagen? Bilde ich mir das ein oder nicht?"
Wie vorgehen gegen Grenzüberschreitungen?
Marc Riemann, Leiter des Bäderbetriebsmanagements der städtischen Kölnbäder, beobachtet, dass die Gäste mittlerweile offensiver auf unangemessenes Verhalten in der Sauna reagieren. Die Menschen hätten mehr Mut, Belästigungsfälle mitzuteilen. Betroffenen empfiehlt er, starrenden Personen ganz direkt zu sagen, dass sie das unterlassen sollen.
Außerdem solle jeder und jede das Personal hinzuziehen – vor allem, wenn man Angst habe. Die Mitarbeitenden der Kölnbäder erhalten Eskalations-Trainings und könnten mit Rauswurf und Hausverbot reagieren, sagt er.
Hilft eine Geschlechterquote?
Die Haveltherme bei Berlin hat wegen vermehrter sexueller Übergriffe eine andere Strategie gewählt: eine Geschlechterquote. Befinden sich zwanzig Prozent mehr Männer als Frauen in der Therme, gibt es einen Einlassstopp für Männer. Ein weiterer Vorschlag, um übergriffigem Verhalten beizukommen, ist, Badebekleidung in Saunen zu erlauben.
Marc Riemann von den Kölnbädern hält das für keine gute Idee. Als Argument nennt er die , "deutsche Saunakultur, die textilfrei ist". Um sich vor Übergriffen zu schützen, empfiehlt er, die Sauna zu belebten Zeiten zu besuchen, sich einem Saunaclub anzuschließen oder die Damensauna zu nutzen.
Betroffene: Kein Rückzug aus dem öffentlichen Raum!
Für Marleen Maxeiner geht das allerdings nicht in die richtige Richtung. Sie sieht die Aufgabe definitiv auf der Männerseite: "Es braucht mehr Bewusstsein dafür, dass Frauenkörper keine Objekte sind."
"Auf gar keinen Fall ziehe ich mich aus dem öffentlichen Raum zurück, weil sich ein paar Männer nicht beherrschen können."
Juristisch könnte zumindest ein Gesetz, das Fotos in der Sauna verbietet, seinen Teil für mehr Schutz vor Übergriffen beitragen. Damit wären zumindest im Fall von Fotografieren auch Konsequenzen für Täter*innen denkbar.
Kein Gesetz zum Verbot von Nacktaufnahmen in öffentlichen Saunen
Stand jetzt muss ein Verbot von Foto- und Videoaufnahmen tatsächlich in der Hausordnung der Saunabetreiber geregelt sein. Laut Gesetz ist es in Deutschland nämlich nicht verboten, in öffentlichen Saunen Bilder von nackten Menschen zu machen.
Das zeigt ein Fall aus Leipzig: Dort hatte ein Mann zwei Frauen in der Sauna gefilmt. Doch die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn ein. Er durfte die Aufnahmen sogar behalten.
Allerdings dürfte sich juristisch erst einmal nichts ändern. Im November 2025 hat die Justizminister*innenkonferenz abgelehnt, an einem entsprechenden Gesetzentwurf zu arbeiten. Das Argument: Es sei zu schwer, hier strafbares von nicht-strafbarem Verhalten zu unterscheiden.
Die Konsequenz daraus ist daher: Die Verantwortung für den Schutz vor Starren, Filmen und Grenzüberschreitungen liegt weiterhin bei Sauna-Besuchenden und Sauna-Betreibenden.
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