PiratensenderNews und Musik statt Dschihad

Wie können sich die Menschen in Syrien unabhängig informieren, wenn Internet, Handy- und Stromnetz lahmgelegt sind? Der Piratensender Syrnet versorgt per Ultrakurzwelle die Bevölkerung mit News und Musik.

Die NGO Media in Cooperation and Transition in Berlin hat sich den Piratensender Syrnet für die syrische Bevölkerung ausgedacht. Finanziert wird das Projekt zu 100 Prozent vom Auswärtigen Amt. Unserer Reporterin Ortrun Schütz hat in den Livestream von Syrnet reingehört und mit den Philipp Hochleichter in Berlin gesprochen.

Pocket FM passt in jeden Rucksack

Philipp hat einen schwarzen Kasten entwickelt, der etwas kleiner ist als ein Schuhkarton und Pocket FM heißt. Das Radiosendegerät. Klein, handlich, leicht zu verstecken, schwer ausfindig zu machen und damit auch schwer zu zerstören. Der Stromverbrauch ist gering, gerade mal so hoch wie von zwei Glühbirnen. Pocket FM kann beispielsweise an eine Autobatterie oder eine Solarzelle angeschlossen werden. Die Bedienung ist so einfach gehalten, dass Menschen ohne technisches Vorwissen den Apparat einfach bedienen können.

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Der Sender ist durch einen Pin Code geschützt, so dass er nicht missbraucht werden kann, falls er in die falschen Hände gerät. Pocket FM empfängt sein Signal per Satellit. Und wie empfangen die Syrer das Programm von Syria Radio Network - kurz Syrnet? Ganz einfach per Handy. Fast alle Mobiltelefone und Smartphones haben eingebaute Radioempfänger. Per Mundpropaganda oder Graffiti erfahren die Menschen von Syrnet. Was sie hören ist ein 18-Stunden-Programm mit Musik, Nachrichten und Magazinsendungen - das Neueste aus Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik. Manche Sendungen sind auf Arabisch, manche auf Kurdisch.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt aus dem Angebot von neun Sendern, die von der sogenannten moderaten Opposition betrieben werden. Die Senderstudios liegen in der Türkei, eines sogar in Paris und zwei befinden sich noch in Syrien.

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In Berlin sitzen Journalisten, Exil-Syrer, die das Programm abhören und den beteiligten Radiosendern Feedback geben. Qualitätskontrolle. Verboten sind Hasspredigten, Gewaltverherrlichung oder Aufrufe zum Dschihad. Abgesehen davon sind alle Meinungsäußerungen erlaubt.

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